Dienstag, 15. September 2015

Nachlese zur eEducation Sommertagung 2015 (#eEducation2015)

Vor mittlerweile zwei Wochen fand die eEducation Sommertagung 2015 unter dem Titel Building Bridges - Creating Networks statt. Ich hatte ja bereits darüber gebloggt (MOOCs in der und für die Schule). Nun endlich komme ich dazu, auch eine Nachlese der gesamten Veranstaltung zu schreiben. Wer sich für eine zweite Perspektive interessiert, sei auf die offizielle Nachlese verwiesen, auf der sich auch ein Link zu den Videos befindet.  Auch der Podcampus der PH Wien liefert eine Zusammenschau. Bei mir hat es jetzt ja auch zwei Wochen gedauert, aber es sind doch so einige Dinge dazwischen aufzuarbeiten gewesen und einige Blogposts habe ich auch geschrieben… Sie warten nur noch auf eine Veröffentlichung. In den nächsten Tagen kommt somit das eine oder andere von mir.

Public Domain (Pixabay)

Zunächst aber mein chronologisch angelegter Blick auf die eEducation Sommertagung 2015, über die ich unter #eEducation2015 schon live getwittert hatte. Die Tagung lief zwar unter dem allgemeinen Titel Building Bridges – Creating Networks, hatte sich aber an jedem der drei Tage einem eigenen Aspekt verschrieben. Hier mein (nicht vollständiger) Streifzug durch die drei Tage auf dem Schulschiff in Wien.

Montag, 31.8.2015: Vielfalt in der Gesellschaft


Anitra Eggler eröffnete mit ihrem Vortrag Vom Handy versklavt, von E-Mails getrieben. Wer Anitra Eggler, die selbst ernannte Digitaltherapeutin, kennt, weiß um ihre Eloquenz und Bühnenpräsenz. Dementsprechend kurzweilig war auch ihr Vortrag, der uns zeigte, wie sehr wir eigentlich von Digitalien, unseren E-Mails und Smartphones vor allem, abhängig sind. Ihr Versuch, uns alle zu therapieren, war zumindest sehr unterhaltsam, und in einigen Zügen und in gewisser Weise doch auch ein Augenöffnen. Wir sollten uns vielleicht einfach bewusst sein, dass sich unser Lebensrhythmus durch die Mobilität geändert hat; sowohl was unsere Ansprüche betrifft als auch die von uns an andere gestellten Ansprüche. Passend dazu erschien am nächsten Tag ein Artikel in der Kleinen Zeitung mit dem Titel Neue Studie besagt: Schlafmangel macht krank. Vielleicht einfach mal abschalten, Digitalien aus dem Schlafzimmer verbannen, bewusst offline Gehen. Wie wäre es mit 2 Minuten Abschalten? Die Seite Do Nothing For 2 Minutes kann dabei helfen.

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Ralph G. Schöllhammer sprach anschließend in der erste Keynote von Kultur und Diversität in einer Digitalen Welt (Aufzeichnung) und unternahm mit uns eine Reise durch die Geschichte von Diversität und Kultur. Dabei wurde jedenfalls klar, dass Diversität keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist und wir uns dessen einfach bewusst sein sollten. Das andere in dem einen zu denken, ist ja nach Luhmann ein zentrales Element eines systemtheoretischen Ansatzes. Das eine kann ohne das andere nicht existieren, denn wie könnten wir es definieren. Wir sind gewöhnt, ihn Rollendichotomien zu denken: Denken wir beispielsweise an die Dichotomie Lehrer/in vs. Schüler/in. Diese Dichotomien sind zu überdenken. Auch ein/e Schüler/in kann lernen und somit zur/zum Schüler/in werden. Und ein/e Schüler/in kann anderen etwas beibringen und zur Lehrperson werden. Oder denken wir an die Prosumentin und den Prosumenten als Mischung aus Produzent/in und Konsument/in.

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Die anschließende zweite Keynote von Jürgen Pfeffer (@JurgenPfeffer), der via Livestream von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh zu uns sprach, behandelte Diversität als Chance und Herausforderung in persönlichen und beruflichen Netzwerken. Dabei berichtete er davon, wie Menschen auf natürliche Weise ihre Netzwerke aufbauen, wie sich diese Netzwerke weiterentwickeln und wie man sie gekonnt nutzen kann. Dabei gab er uns die Hausübung, die Tagung und vor allem die Abende zu nutzen, um neue Knotenpunkte zu setzen, mit uns bis zu dahin Unbekannten ins Gespräch zu kommen und damit unser Netzwerk auszuweiten. Eine spannende Aufgabe, die wir am Abend auch gerne erfüllten. Die inhaltliche Nähe zum Konnektivismus als Lerntheorie des digitalen Zeitalters ist zu spüren. Es geht bei vielen Tagungen gerade um das Netzwerken, alte Bekannte wiederzutreffen und neue Bekanntschaften zu schließen. Und das gelang auf der eEducation Sommertagung nicht nur durch das außergewöhnliche Setting und die Abendveranstaltungen, sondern auch durch das Format der Tagung an sich (v.a. am Dienstag und Mittwoch) problemlos. Und so bin ich für mich mit vielen neuen Bekanntschaften im Gepäck nach Hause gefahren, die ich in der digitalen Welt weiterpflegen kann, bis zum nächsten Treffen im Real Life. :-)

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Die letzte Keynote des Tages kam von Rüdiger Lohlker von der Universität Wien und behandelte das Thema Taking Jihad Offline (Aufzeichnung). Er versuchte dabei, die Wirkmechanismen der Propaganda v.a. des IS zu erläutern und uns Möglichkeiten mit auf den Weg zu geben, in der Schulpraxis mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen zurechtzukommen.

Die anschließende Podiumsdiskussion zu Digitale Technologien und das Vertrauen in die Medien streifte sehr unterschiedliche Themen, v.a. auch die derzeit in einem erschreckend hohen Ausmaß vorhandenen Hasspostings in unterschiedlichen Social Networks. Eine Antwort auf die Frage, wie man damit umgehen könnte, und wie man reagieren sollte, blieb in meinen Augen leider aus. Das Thema ist sensibel und nicht nur jetzt ist es zentral, dass wir Medienbildung betreiben, die Nutzer/innen unterschiedlicher Social Networks auf die Wirkmechanismen und auch die Funktionsweisen der sozialen Netzwerke hinweisen und ihnen klar machen, dass es einen Unterschied macht, ob sie eine Äußerung am Stammtisch tätigen oder für alle sichtbar auf Facebook.

Dienstag, 1.9.2015: Vielfalt in unseren Klassen


Der zweite Tag begann mit senegalesischem Tanzen auf der Wiese vor dem Schulschiff und der Keynote von Andrea Dobida zu E-Learning Around the World (Aufzeichung). In dieser Keynote wurden wir auf eine Reise around the world mitgenommen, und Astrid Dobida erzählte von unterschiedlichen E-Learning-Projekten und -Initiativen aus der ganzen Welt, legte Erfahrungsberichte offen und machte dabei richtig Lust auf mehr. Sie zeigte dabei sowohl die Grenzen als auch die Vorteile und Stärken von E-Learning auch im Hinblick auf das Thema „Vielfalt in unseren Klassen“ auf. Und dabei wurde auch klar: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Die zweite Keynote des Tages kam von Erich Neuwirth, der zeigt, wie nahe sich Mathematik und Musik eigentlich sind (Aufzeichnung). Dabei wurden Stücke vorgespielt, die ganz ohne echte Instrumente auskamen und doch richtige Musik waren. Und hinter denen mathematische Algorithmen standen. Eine spannende Sache so oder so. Dabei kam mir wieder der Blahfaselgenerator Beat Döbeli Honeggers (@beatdoebeli) in Erinnerung und die Frage, ob man in Service-Hotlines mit Menschen oder Maschinen spricht. Auch hier ist die gewohnte Dichotomie in einigen Bereichen langsam verschwimmend, eine klare Trennung nicht immer möglich.

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Der restliche Tag stand ganz im Zeichen des Open Space. Es gab insgesamt vier Slots, die in, ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich glaube es waren 14 Räumen parallel geführt wurden. Meinen Beitrag zum Thema MOOCs in der und für die Schule habe ich ja schon verbloggt. Ich besuchte also drei weitere Workshops. Darunter eine Einführung in Windows 10 und Office 365 als Betriebssystem, die mich dazu gebracht hat, das Update (zumindest auf einem PC) wirklich zu machen. Zusätzlich wurden zusätzliche Anwendungen vorgestellt, die sich, in meinen Augen, toll in den Unterricht integrieren lassen:
  • Sway ist für mich eine nette Storytelling-Anwendung, die irgendwo zwischen Prezi und PowerPoint anzusiedeln ist und in die auch soziale Netzwerke, wie beispielsweise Twitter, eingebunden werden können.
  • Snip ist eine Erweiterung des Snipping Tools. Mit dieser Anwendung lassen sich Screenshots anfertigen und anschließend mit einem Audiokommentar versehen. Als Tool ersetzt es für mich Anwendungen wie Jing, die ich bislang dazu genutzt habe, um ein Bild zu besprechen beispielsweise.
  • Office Online war ebenso Thema, wobei hier vor allem der Aspekt des kollaborativen Arbeitens betont wurde. Als besonders empfehlenswert wurde OneNote herausgehoben, das sich in Echtzeit nutzen lässt und dabei mehr als ein Notiztool ist. Man hat eine weiße Fläche, wie ein Packpapier, das man früher auf einen Tisch gelegt hat, und kann diese gemeinsam in Echtzeit beschriften.
  • Office Mix ist eine PowerPoint-Erweiterung. Mit ihr lassen sich Präsentationen um interaktive Elemente erweitern, es lassen sich Audio- und Video-Elemente hinzufügen und somit kleine aber feine Lernvideos erstellen. Ich könnte mir vorstellen, damit etwas Ähnliches wie mit Knovio zu machen. Ich muss aber zugeben, dass ich Office Mix noch nicht ausprobiert habe.
  • Auch ein Nicht-Microsoft-Produkt wurde in diesem Workshop genannt: Made with Mischief. Es handelt sich dabei um ein Sketching-Tool, das bei einem weißen Arbeitsblatt beginnt, bei einer weißen Fläche, die dann befüllt werden kann mit Texten, Bildern und Zeichnungen. Es erinnert durch die Zoom-Bewegungen sehr stark an Prezi und hat – in meinen Augen – durchaus auch Potential für den Einsatz im Unterricht.

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In einem zweiten Workshop beschäftigten wir uns mit unterschiedlichen Storytelling Tools. Dabei wurden unterschiedliche Tools genannt, zum Beispiel Learning Apps oder Padlet. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Storytelling, verschiedene Aspekte wurden abgebildet. Comics Head und Bitstrips wurden beispielsweise als Möglichkeiten genannt, mit Comics Geschichten zu erzählen. Auch Sway als Beispiel von Microsoft wurde genannt. Auch Angebote des British Council wurden vorgestellt. Die Padlet-Wall Storytelling im Unterricht liefert eine Zusammenschau aller präsentierten Tools. Als spannenden Hinweis nahm ich die Möglichkeit für mich mit, Tarotkarten zum Geschichtenerzählen zu verwenden. Die einzelnen Karten können zu Schreibanlässen umfunktioniert werden, was ich persönlich gerne mal ausprobieren werden.

Der dritte Workshop, den ich besuchte, beschäftigte sich mit der Lernen ist Persönlich App (kurz LIP App), die speziell für die Binnendifferenzierung innerhalb einer Klasse konzipiert wurde und die Individualisierung im Klassenzimmer ermöglicht. Die Folien der Präsentation sind online zugänglich.

Mittwoch, 2.9.2015: Vielfalt des Unterrichts


Der letzte Tag begann mit einer spannenden und kurzweiligen Keynote von Jörg Hofstätter (@osloprinz) mit dem Titel Über Minecraft und andere Unterrichtsmaterialien (Aufzeichnung), in der er unter anderem auf iMooX und Sofatutor verwies, das Physik-Lernspiel Ludwig noch einmal vorstellte und eben die Welt von Minecraft herzeigte. Dabei wurde klar, dass die Schüler/innen sich in einer anderen Welt bewegen, als die meisten Lehrer/innen und Eltern glauben und nicht alles, was nach Spiel aussieht, auch wirklich Spiel ist. Als Beispiel sei Minecraft EDU genannt, eine Seite, auf der sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten von Minecraft im Lernkontext gesammelt finden. Für mich nahm ich aus diesem Workshop ein Deutsch-Lernspiel mit: Lern Deutsch. Die Stadt der Wörter. Das Spiel stammt vom Goethe Institut, ist für Android und iOs verfügbar und ermöglicht das spielerische Erlernen der deutschen Sprache.

Eigene Aufnahme

Anschließend fand eine Speed-Dating statt – 27 Stände zum Thema „Für meinen Unterricht“. Ich durfte iMooX präsentieren und habe somit von den übrigen Tischen wenig mitbekommen. Jedenfalls eine sehr anstrengende Erfahrung: 27 Tische, in einem Raum, in kürzester Zeit alles zu präsentieren, was man so möchte. Meine Stimme war durchaus dankbar, als es vorbei war. Ich selbst hätte gerne noch länger weitergemacht, denn der Austausch war, trotz der knappen Zeit, ein sehr wertvoller und eben intensiver.

Für mich jedenfalls als Fazit eine mehr als gelungene Veranstaltung, die mir dabei half, mein Netzwerk zu vergrößern, alte Netzwerke zu pflegen und neue Anregungen für meinen Unterricht mitzunehmen. Wenn ich auch schon sehr viel kannte, so gab es dennoch wieder so einige neue Aspekte, Anregungen und inspirierende Momente, die ich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten aufarbeiten werde(n muss). Denn die nächsten Events stehen schon wieder im Raum und der nächste Austausch kommt bestimmt.

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