Montag, 8. Juni 2015

Digitale Gedankensplitter (Teil 1)

Üblicherweise schreibe ich meine Blogposts ja gerne freitags, so grade vor dem Wochenende. Dieses Mal aber war ich am Freitag abseits von Digitalien im Garten. Ganz ohne mobile Device, nicht ganz ohne Internet, aber doch. Und so hat sich über das verlängerte Wochenende so manches angesammelt, das ich nun in gesammelter und strukturierter Form weiterzugeben versuche. Sie haben alle mit dem Thema „open“ zu tun, auf die eine oder andere Weise.

Da wäre zum einen die Urheberrechtsnovelle in Österreich, deren Entwurf hier nachzulesen ist, und dessen Konsequenzen bzw. Tragweite sich erst zeigen wird/werden. Die Lektüre ist schon spannend, wenngleich nicht ganz einfach. Hier noch ein kurzes Video von Michael Kopp (@koanmi), das eine kompakte Zusammenfassung des Urheberrechts liefert. Und gleichzeitig ein kurzes Statement von Kathrin Reckling-Freitag aus dem April 2014 unter dem Titel Wenn das Urheberrecht zur Bremse wird… Weil dieser Beitrag einfach den Nagel auf den Kopf trifft.

Da wäre zum anderen das Thema MOOCs und ihre Offenheit nach allen Seiten. Wer sich in den letzten Tagen mit Coursera beschäftigt hat, wird sehen, dass es in Hinblick auf die Kursbescheinigungen eine Neuerung gibt. Die Statements können nicht mehr kostenlos mit der LinkedIn-Seite verknüpft werden, die Leistungen sind somit nicht mehr so einfach sichtbar zu machen. Der Coursera Junkie hat darüber einen ausführlichen Blogpost geschrieben und gleichzeitig auch versucht, die Hintergründe zu erklären. Mit der Überschrift Free MOOCs? Forget about it. ist er ziemlich reißerisch, das gebe ich schon zu, aber dennoch gibt der Beitrag zu denken. Werden die Coursera-MOOCs nur mehr im jetzigen Signature Track verfügbar sein? Ist das das Geschäftsmodell dahinter? Soll der eigene Lernerfolg jetzt nicht mehr sichtbar gemacht werden können? Es gibt viele Fragen dazu. Michael Kopp (@koanmi) hat die Frage How Long Will MOOCs Remain Free for the General Public? im November 2014 ja auch schon mal ausführlich beantwortet.

Umso erfreulicher ist der Umstand, dass es auf den deutschsprachigen MOOC-Plattformen, nämlich mooin und iMooX, die ja gemeinsam den MOOChub bilden, möglich ist, Badges für Teilleistungen zu erwerben, die die eigene Leistung portionsweise sichtbar machen. Auf iMooX trifft dies den COER, auf mooin habe ich Badges im HanseMOOC gesammelt. Und mich über jeden gefreut ;-)
Gemeinsam mit Martin Ebner (@mebner) und Mohammad Khalil (@TUMohdKhalil) habe ich dazu den soeben in den eLearning Papers n42 Design Patterns for Open Online Teaching and Learning erschienenen Beitrag MOOCs as granular systems: design patterns to foster participant activity geschrieben. Der Vorschlag darin, MOOCs als granular und nicht als Kurse zu sehen. Frei nach dem am Symposium „Emerging Models of Learning and Teaching in Higher Education: From Books to MOOCs?” in Stockholm oftmals wiederholten Motto: Wenn ich ein Lehrbuch kaufe, zwinge ich meine Studierenden nicht es linear von vorne nach hinten zu lesen. Wieso soll ich es in einem MOOC machen.

Bleibt noch der offene Umgang mit sensiblen Themen in sozialen Netzwerken und dem Internet allgemein. „Offene Gespräche sind besser als Filtersoftware.“ So lautet eine der goldenen Regeln aus dem Folder Die wichtigsten Tipps für den sicheren Umgang mit digitalen Medien, die Jugend und Medien, das Schweizer nationale Programm zur Förderung von Medienkompetenzen herausgegeben hat. Auch die übrigen Regeln sind lesenswert, aber ich denke, dass das offene Gespräch ein wichtiger Punkt ist, der immer wieder vergessen oder vielleicht auch nicht so stark beachtet wurde. Wenn ich in meinem Freundeskreis höre, dass Zeichentrickserien mittlerweile in abgeschwächter Version vorhanden sind, als Beispiel Tom & Jerry, weil zu viel Gewalt gezeigt wird, die zum Nachahmen einlädt, so frage ich mich doch, ob mit den Kindern diese Themen nicht mehr besprochen werden. Ich kann mich daran erinnern, dass wir zuhause über Filme und Serien bzw. deren Inhalte gesprochen haben. Aber meine Schüler/innen haben mir immer wieder mitgeteilt, dass ihre Eltern nur selten mit ihnen über Themen wie Sexualität und Gewalt sprechen. Ich frage mich, warum das so ist. Deshalb gefällt mir diese goldene Regel auch so gut. Der offene Umgang mit gewissen Themen ist besser, als bloße Verbote. Das trifft ja auch auf das Thema Smartphones, Tablets und andere Wearables im Unterricht zu. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

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