Freitag, 2. Oktober 2015

Padlet und seine Möglichkeiten

Padlet ist ein zugegebenermaßen praktisches Tool. Es erlaubt das Erstellen einer großen Pinnwand, die gemeinsam oder alleine befüllt werden kann. Auf diese können Webseiten, Dokumente oder Texte gepinnt werden. So wird Padlet auf unterschiedliche Weise in unterschiedlichen Kontexten genutzt. Drei Ein paar Szenarien aus Padlets Schatzkiste möchte ich kurz nennen:

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Toolsammlung

Einige Nutzer/innen stellen über Padlet Toolsammlungen zur Verfügung, die öffentlich im Web vorhanden sind und teilweise auch ergänzt werden können. Die Tools sind mit einer kurzen Beschreibung und dem Toolnamen angepinnt. Stellt die Webseite des Tools auch ein Bild oder Video zur Verfügung, wird dieses mit angeheftet. Zwei sehr schöne Beispiele sind die Exemples d'outils pour projets scolaires, die Tools aus unterschiedlichen Bereichen vereinen und dabei unterschiedliche Kompetenzen abdecken, und Storytelling Tools. digitale Möglichkeiten zum Geschichten Erstellen und Erzählen, eine Sammlung mobiler und webbasierter Tools zum Storytelling.

(Anonymes) Feedbacksammeln

Jürgen Wagner (@wagjuer) sammelt auf seiner Padlet-Wall Feedback und Rückmeldungen zu den von ihm organisierten und veranstalteten Webinaren. Die Sammlung ist mittlerweile schon recht gewachsen. Durch einen Doppelklick lässt sich ein neuer Pinn auf der Padlet-Wall erzeugen, der anschließend mit Text und/oder Bildern gefüllt werden kann. Das Anmelden und eine Angabe des Namens sind nicht verpflichtend, das Eingeben kann also auch anonym erfolgen.

Vorstellung

Egal ob es sich um die Vorstellung einer Person, eines Tools oder einer Stadt handelt, auch hier kann Padlet genutzt werden. So bietet Padlet selbst eine Einführung in das Tool in Form eines Padlets an.

Kurserwartungen

Der Smart Cities MOOC (#FLSmart2015) nimmt ein Padlet für die Absolvierung der pre-course activity, in der die Teilnehmer/innen nach ihrem Verständnis von "Smart City" gefragt werden. Die Teilnehmer/innen können ihre Meinung mittels Bild auf die Padlet-Wall legen.

[UPDATE] Materialiensammlung

Kurt Tutschek (@tutschek) hat gerade ergänzt, er verwendet Padlet, um in Seminaren die Unterlagen und Materialien der Teilnehmer/innen auf unkomplizierte Art und Weise zu sammeln und allen zur Verfügung zu stellen. Er sieht als eine Stärke des Tools die Möglichkeit, Padlet in ein Blog einzubetten.

Weitere Empfehlungen, Ideen und Anregungen zum Tool finden sich hier:

Tag des Lächelns


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Und weil heute der Tag des Lächelns ist, möchte ich so knapp vor dem Wochenende noch ein paar Wortspiele posten. Einige sind gut, einige besser. Aber schauen Sie selbst und denken Sie mit mir: Sprache ist schön! :-)

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Zu meiner Zeit war das noch so… oder: Worte an die Studierenden von heute…

Elektronische Prüfungen sind was Feines. Man hat zwar sehr viele und zeitraubende Vorbereitungen, aber die Nachbereitung beschränkt sich auf einige Klicks. Und durch die vorkonfigurierten Computerräume und die Unmöglichkeit einen zweiten Browser zu öffnen, ist auch die Prüfungsaufsicht viel entspannter als man meinen mag. Und so bleibt viel Zeit, die Studierenden in dieser Prüfungsphase zu beobachten. Und nach so einigen Durchgängen möchte ich meine Eindrücke nun auch im Blog aufschreiben – einfach, weil ich einiges dadurch gelernt habe. Und so haben die Prüfungen auch für mich einen sehr interessanten Aspekt parat – mit gewissem Lerneffekt.

Hier also meine (überspitzten , aber im Kern wahren) Beobachtungen (die sehr verallgemeinernd sind – ich will nicht ALLE in einen Topf werfen, es gibt auch Ausnahmen):

Hallo, Tschüss, Hi und Baba sind Äquivalente zu Grüß Gott, Guten Tag oder Auf Wiedersehen!

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Anfangs fand ich es ja noch befremdlich, wenn mich Studierende mit Hi, Hallo oder Tschüss Baba begrüßten oder sich verabschiedeten. Mittlerweile lächle ich sie nur mehr entwaffnend an. Zu meiner Zeit hätte es das nicht gegeben, also ehrlich. Liegt es an meinem Alter? Sehe ich aus wie eine Studienassistentin, die man freund(schaft)lich kolloquial adressiert? Oder ist es einfach der neue Umgangston? Ich weiß es nicht, aber ich bin schon froh, wenn sie überhaupt was sagen…

Grüßen ist nicht mehr „in“!


Ja, das ist die zweite ernüchternde Beobachtung. Ich kontrolliere am Beginn der Prüfung die Studierendenausweise und gleiche die Namen und Gesichter mit meiner Teilnehmer/innen-Liste ab. Dafür betreten die Studierenden nacheinander den Hörsaal. Und einige grüßen auch. Nicht alle. Weniger aber verabschieden sich beim Gehen. Sie müssten ja gar nichts sagen, nur in meine Richtung blicken, kurz nicken. Oder so ähnlich. Zu meiner Zeit war das noch so… Und ich freue mich über diejenigen, die es tun.

Grüßen ist keine Frage des Alters, des Geschlechts oder ähnlicher Kriterien!


Man könnte jetzt meinen, dass die älteren Studierenden eher grüßen als die jüngeren oder umgekehrt, Frauen vielleicht häufiger als Männer oder umgekehrt. Aber nichts da… Es gibt kein Muster. Es wird einfach kaum gegrüßt und verabschiedet.


Trampeln, Trippeln und Schlurfen sind anerkannte Fortbewegungsformen!

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Sie kennen die Situation. Studierende, die mit ihrer Klausur fertig sind, packen ihre Sachen nicht leise, stehen nicht geräuschlos auf und schleichen ebenso wenig auf leisen Sohlen und leichtfüßig aus dem Prüfungssaal. Nein, der Abgang wird vielerorts beinahe zelebriert. Möglichst lautes Schlurfen, Trampeln oder das gekonnte Einsetzen von Stöckelschuhen sind da beinahe Pflicht. Also zu meiner Zeit versuchten wir noch, Geräusche zu vermeiden, waren durch das Auf- und Zumachen des Zippverschlusses schon peinlich berührt…

Studierendenausweise sind Verbrauchsgut!


Oder zumindest nicht wirklich wichtig, denn sie werden in den Sälen ständig vergessen. Vielfach hat es damit zu tun, dass sich die Studierenden ihre Matrikelnummer nicht merken können und die Karte deswegen neben dem Computer liegen bleibt, um sich bei der Anmeldung (für die die Matrikelnummer notwendig ist) leichter zu tun. Gut, das sind auch immerhin 7 Ziffern und man braucht sie ja auch fast nie. Also zu meiner Zeit mussten wir die Zeugnisse noch ausfüllen und schrieben unsere Matrikelnummern beinahe ständig auf das eine oder andere Formular. Aber gut, damals konnten wir auch noch die wichtigsten Telefonnummern auswendig und waren ohne Smartphone nicht verloren. (All diejenigen, die alles in der Cloud speichern, mögen mir verzeihen. Ihr habt ja ein Backup.)

Studierendenwohnungen haben keine Türen, sondern nur (Faden-)Vorhänge!

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Das ist für mich die einzige logische Erklärung, wieso so viele schlichtweg darauf vergessen, die Türe hinter sich zu schließen, wenn sie den Prüfungsraum verlassen. Und das ist durchaus kein Einzelfall. Und an der Angst, die Türe nicht leise schließen zu können, liegt es ja wohl nicht (siehe Punkt: Trampeln).

Vibrier-klingelnde Handys gehören prinzipiell niemandem!

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Ich sage jedes Mal vor der Prüfung an, dass die Studierenden ihre Handys a) auf lautlos und b) lautlos ohne Vibrieren schalten sollen. Und nun raten Sie mal, was jede Klausur mindestens einmal vibrier-klingelt? Und komischerweise sind das dann immer herrenlose Exemplare, die bis zum Ende vibrier-klingen, weil sich niemand um sie kümmert (kümmern will). Hätte ich mich nie getraut. Aber die damaligen Handys waren in ihren Funktionalitäten auch beschränkt. Also wir konnten SMSen und telefonieren, fotografieren und Sprachaufnahmen mit dem Diktiergerät machen. Das war’s dann auch schon.

Tratschen ist erlaubt!

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Naja, zumindest glauben die Studierenden, es probieren zu müssen. Also während der Klausur. Und sie tauschen sich dabei nicht über das Wetter aus. Lustig, denn die Prüfungsräume sind schalltechnisch so gebaut, dass man nicht nur den/die Vortragende/n gut nach hinten hört, sondern tratschende Studierende auch gut nach vorne. Aber diesen Perspektivenwechsel machen die Studierende nicht durch, deswegen muss man sie da dann schon mal drauf hinweisen.

Und was mich am ALLERMEISTEN stört:

Abmelden wird überbewertet!


Es ist vollkommen egal, ob die Warteliste überlang ist oder nicht. Wenn man mal einen Prüfungsplatz hat, dann hat man ihn. Und man entscheidet spontan, ob man ihn wahrnimmt oder nicht. Oder so ähnlich. Ich finde es ist eine absolute Unart, wenn 30-50% der Studierenden einfach nicht kommen. Ohne Abmeldung. Ohne Information. Ohne elektronische Prüfung war das einfacher. Da gab man übrig gebliebene Prüfungsbögen einfach an all jene, die auf der Warteliste standen und auf gut Glück zur Prüfung kamen. Das geht nun aber nicht mehr. Die Prüflinge werden vor der Prüfung in das System überspielt. Ein spontanes Ändern ist leider nicht möglich. Und so kann es passieren – und tut es auch oft –, dass Studierende abgewiesen werden müssen, obwohl freie PC-Plätze vorhanden wären. Weil einfach Kolleginnen und Kollegen nicht erschienen sind. Und da hilft auch das Sperren für den nächsten Prüfungstermin nur wenig. Ist es so schwierig, sich innerhalb der Frist abzumelden oder der LV-Leitung ein Mail zu schreiben, sodass Studierende der Warteliste nachrücken können? Ehrlich, ich verstehe diese Haltung nicht.

Vielleicht haben die einen ähnliche Erfahrungen, die anderen aber absolut abweichende? Es würde mich schon interessieren, ob nur ich es so wahrnehme, oder ob sich die Zeiten einfach ändern. Angemessene Manieren sind in meinen Augen wichtige Grundvoraussetzung für ein gemeinsames Arbeiten, ein gutes Gruppenklima, einen respektvollen Umgang miteinander. Die Studierende, die ich beobachte, sind alles angehende Akademiker/innen. Ist es zu viel verlangt, ein paar Grundregeln der Höflichkeit zu beherrschen und zu beachten?

Freitag, 25. September 2015

Materialien für die Volksschule

Ich versuche ja immer, Materialien für unterschiedliche Zielgruppen zur Verfügung zu sammeln und auf meinen Blog zu stellen. Die Volksschule kommt dabei aber leider immer wieder zu kurz. Dabei gibt es hier zahlreiche (wahre) Schätze, die es zu entdecken gilt und die sich im Unterricht schnell und unkompliziert einsetzen lassen. Es gibt unterschiedliche Apps, Sammlungen von Übungs- und Arbeitsblättern oder auch Mini-Lernzielüberprüfungen zum spielerischen Erlernen von Grammatik und Aussprache, Vokabeln, mathematischen Formeln und vielem mehr. Vier Kleinode möchte ich an dieser Stelle einmal zusammenfassend bereitstellen:


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Mauswiesel

Die Webseite vom Hessischen Bildungsserver bietet zurzeit 6322 Ressourcen aus den Bereichen Deutsch, Englisch, Mathematik, Wissen, Kunst/Musik bzw. Logik/Spiel. Es handelt sich dabei um interaktive, spielerische Übungen zum Üben und Festigen unterschiedlicher Kompetenzbereiche.

Wimmelbilder

Die Seite schule.at stellt zahlreiche gute Unterrichtsmaterialien und -anregungen zur Verfügung. Als einen Bereich möchte ich die Wimmelbilder herausheben, die sich auf ganz unterschiedliche Weise in unterschiedlichen Fächern integrieren lassen. Wer sich für weitere interessante Dinge interessiert, sollte sich die Toolbox - Werkzeugkiste ansehen.
Die Webseite stellt zahlreiche Arbeitsblätter für die Grundschule zur Verfügung. Dabei werden die Bereiche Deutsch, Englisch, Mathematik, Sachunterricht, Musik und Kunst ebenso abgedeckt wie die Bereiche Tests, Ausmalbilder und Anlässe. Zusätzlich gibt es einen Arbeitsblatt Generator und die Kategorie Sonstiges. Es kann sowohl nach Fächern als auch nach Themen und Schulstufen gesucht bzw. gefiltert werden.
Hinter diesem Akronym versteckt sich das Internet Second Language Collective, ein Zusammenschluss unterschiedlicher Sprachlehrer/innen, die Arbeitsmaterialien für den DaF-/DaZ-Unterricht zur Verfügung stellen. Sie unterscheiden auf der Webseite zwischen Ausdruckbares, Projizierbares und Pädagogische Tipps. Zum Download der Materialien ist eine kostenlose Anmeldung notwendig.


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Schul-APPS, der TU Graz

Auf der Seite der Technischen Universität Graz (@sociallearning) findet sich eine Sammlung kostenlos downloadbarer Apps für Android und/oder iOS, die sich speziell an die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern richten. Es finden sich die Kategorien Mathe Apps, Mathe Videos, Deutsch Apps, eBooks und Team Sketch. Um eine App herauszunehmen: der Divisionstrainer. Er kann in der Web-App oder auf iOS gespielt werden, wurde von Gerald Geier (@elgerinio) entwickelt und richtet sich insbesondere an Schüler/innen, die das Dividieren üben und wiederholen wollen. Dabei ist die App zum einen kindgerecht designt und zum anderen adaptiv konzipiert: Die Progression der Lerner/innen wird berücksichtigt. Man kann in höhere Levels (mit schwierigeren bzw. komplexeren Beispielen) aufsteigen, aber auch wieder absteigen.
Die Webseite von Lehrer-online.de (@lehrer_online) liefert immer wieder wertvolle Beiträge zum Thema. Ich möchte drei herausgreifen, die mir in letzter Zeit untergekommen sind: Der Beitrag klick-tipps.net: Lern-Apps und -Seiten für Kinder öffnet eine Schatztruhe an Lern-Apps und -Seiten für Kinder. Das Browsergame „Kolor“ war vor zwei Wochen das Fundstück der Woche und hilft beim spielerischen Erkennen von Farben und ihren Nuancen. Und schließlich stellt der Beitrag Schule.fragFINN.de: Neue Features eben neue Features dieser kindgerechten Suchmaschine vor.

Dienstag, 15. September 2015

Nachlese zur eEducation Sommertagung 2015 (#eEducation2015)

Vor mittlerweile zwei Wochen fand die eEducation Sommertagung 2015 unter dem Titel Building Bridges - Creating Networks statt. Ich hatte ja bereits darüber gebloggt (MOOCs in der und für die Schule). Nun endlich komme ich dazu, auch eine Nachlese der gesamten Veranstaltung zu schreiben. Wer sich für eine zweite Perspektive interessiert, sei auf die offizielle Nachlese verwiesen, auf der sich auch ein Link zu den Videos befindet.  Auch der Podcampus der PH Wien liefert eine Zusammenschau. Bei mir hat es jetzt ja auch zwei Wochen gedauert, aber es sind doch so einige Dinge dazwischen aufzuarbeiten gewesen und einige Blogposts habe ich auch geschrieben… Sie warten nur noch auf eine Veröffentlichung. In den nächsten Tagen kommt somit das eine oder andere von mir.

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Zunächst aber mein chronologisch angelegter Blick auf die eEducation Sommertagung 2015, über die ich unter #eEducation2015 schon live getwittert hatte. Die Tagung lief zwar unter dem allgemeinen Titel Building Bridges – Creating Networks, hatte sich aber an jedem der drei Tage einem eigenen Aspekt verschrieben. Hier mein (nicht vollständiger) Streifzug durch die drei Tage auf dem Schulschiff in Wien.

Montag, 31.8.2015: Vielfalt in der Gesellschaft


Anitra Eggler eröffnete mit ihrem Vortrag Vom Handy versklavt, von E-Mails getrieben. Wer Anitra Eggler, die selbst ernannte Digitaltherapeutin, kennt, weiß um ihre Eloquenz und Bühnenpräsenz. Dementsprechend kurzweilig war auch ihr Vortrag, der uns zeigte, wie sehr wir eigentlich von Digitalien, unseren E-Mails und Smartphones vor allem, abhängig sind. Ihr Versuch, uns alle zu therapieren, war zumindest sehr unterhaltsam, und in einigen Zügen und in gewisser Weise doch auch ein Augenöffnen. Wir sollten uns vielleicht einfach bewusst sein, dass sich unser Lebensrhythmus durch die Mobilität geändert hat; sowohl was unsere Ansprüche betrifft als auch die von uns an andere gestellten Ansprüche. Passend dazu erschien am nächsten Tag ein Artikel in der Kleinen Zeitung mit dem Titel Neue Studie besagt: Schlafmangel macht krank. Vielleicht einfach mal abschalten, Digitalien aus dem Schlafzimmer verbannen, bewusst offline Gehen. Wie wäre es mit 2 Minuten Abschalten? Die Seite Do Nothing For 2 Minutes kann dabei helfen.

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Ralph G. Schöllhammer sprach anschließend in der erste Keynote von Kultur und Diversität in einer Digitalen Welt (Aufzeichnung) und unternahm mit uns eine Reise durch die Geschichte von Diversität und Kultur. Dabei wurde jedenfalls klar, dass Diversität keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist und wir uns dessen einfach bewusst sein sollten. Das andere in dem einen zu denken, ist ja nach Luhmann ein zentrales Element eines systemtheoretischen Ansatzes. Das eine kann ohne das andere nicht existieren, denn wie könnten wir es definieren. Wir sind gewöhnt, ihn Rollendichotomien zu denken: Denken wir beispielsweise an die Dichotomie Lehrer/in vs. Schüler/in. Diese Dichotomien sind zu überdenken. Auch ein/e Schüler/in kann lernen und somit zur/zum Schüler/in werden. Und ein/e Schüler/in kann anderen etwas beibringen und zur Lehrperson werden. Oder denken wir an die Prosumentin und den Prosumenten als Mischung aus Produzent/in und Konsument/in.

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Die anschließende zweite Keynote von Jürgen Pfeffer (@JurgenPfeffer), der via Livestream von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh zu uns sprach, behandelte Diversität als Chance und Herausforderung in persönlichen und beruflichen Netzwerken. Dabei berichtete er davon, wie Menschen auf natürliche Weise ihre Netzwerke aufbauen, wie sich diese Netzwerke weiterentwickeln und wie man sie gekonnt nutzen kann. Dabei gab er uns die Hausübung, die Tagung und vor allem die Abende zu nutzen, um neue Knotenpunkte zu setzen, mit uns bis zu dahin Unbekannten ins Gespräch zu kommen und damit unser Netzwerk auszuweiten. Eine spannende Aufgabe, die wir am Abend auch gerne erfüllten. Die inhaltliche Nähe zum Konnektivismus als Lerntheorie des digitalen Zeitalters ist zu spüren. Es geht bei vielen Tagungen gerade um das Netzwerken, alte Bekannte wiederzutreffen und neue Bekanntschaften zu schließen. Und das gelang auf der eEducation Sommertagung nicht nur durch das außergewöhnliche Setting und die Abendveranstaltungen, sondern auch durch das Format der Tagung an sich (v.a. am Dienstag und Mittwoch) problemlos. Und so bin ich für mich mit vielen neuen Bekanntschaften im Gepäck nach Hause gefahren, die ich in der digitalen Welt weiterpflegen kann, bis zum nächsten Treffen im Real Life. :-)

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Die letzte Keynote des Tages kam von Rüdiger Lohlker von der Universität Wien und behandelte das Thema Taking Jihad Offline (Aufzeichnung). Er versuchte dabei, die Wirkmechanismen der Propaganda v.a. des IS zu erläutern und uns Möglichkeiten mit auf den Weg zu geben, in der Schulpraxis mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen zurechtzukommen.

Die anschließende Podiumsdiskussion zu Digitale Technologien und das Vertrauen in die Medien streifte sehr unterschiedliche Themen, v.a. auch die derzeit in einem erschreckend hohen Ausmaß vorhandenen Hasspostings in unterschiedlichen Social Networks. Eine Antwort auf die Frage, wie man damit umgehen könnte, und wie man reagieren sollte, blieb in meinen Augen leider aus. Das Thema ist sensibel und nicht nur jetzt ist es zentral, dass wir Medienbildung betreiben, die Nutzer/innen unterschiedlicher Social Networks auf die Wirkmechanismen und auch die Funktionsweisen der sozialen Netzwerke hinweisen und ihnen klar machen, dass es einen Unterschied macht, ob sie eine Äußerung am Stammtisch tätigen oder für alle sichtbar auf Facebook.

Dienstag, 1.9.2015: Vielfalt in unseren Klassen


Der zweite Tag begann mit senegalesischem Tanzen auf der Wiese vor dem Schulschiff und der Keynote von Andrea Dobida zu E-Learning Around the World (Aufzeichung). In dieser Keynote wurden wir auf eine Reise around the world mitgenommen, und Astrid Dobida erzählte von unterschiedlichen E-Learning-Projekten und -Initiativen aus der ganzen Welt, legte Erfahrungsberichte offen und machte dabei richtig Lust auf mehr. Sie zeigte dabei sowohl die Grenzen als auch die Vorteile und Stärken von E-Learning auch im Hinblick auf das Thema „Vielfalt in unseren Klassen“ auf. Und dabei wurde auch klar: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Die zweite Keynote des Tages kam von Erich Neuwirth, der zeigt, wie nahe sich Mathematik und Musik eigentlich sind (Aufzeichnung). Dabei wurden Stücke vorgespielt, die ganz ohne echte Instrumente auskamen und doch richtige Musik waren. Und hinter denen mathematische Algorithmen standen. Eine spannende Sache so oder so. Dabei kam mir wieder der Blahfaselgenerator Beat Döbeli Honeggers (@beatdoebeli) in Erinnerung und die Frage, ob man in Service-Hotlines mit Menschen oder Maschinen spricht. Auch hier ist die gewohnte Dichotomie in einigen Bereichen langsam verschwimmend, eine klare Trennung nicht immer möglich.

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Der restliche Tag stand ganz im Zeichen des Open Space. Es gab insgesamt vier Slots, die in, ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich glaube es waren 14 Räumen parallel geführt wurden. Meinen Beitrag zum Thema MOOCs in der und für die Schule habe ich ja schon verbloggt. Ich besuchte also drei weitere Workshops. Darunter eine Einführung in Windows 10 und Office 365 als Betriebssystem, die mich dazu gebracht hat, das Update (zumindest auf einem PC) wirklich zu machen. Zusätzlich wurden zusätzliche Anwendungen vorgestellt, die sich, in meinen Augen, toll in den Unterricht integrieren lassen:
  • Sway ist für mich eine nette Storytelling-Anwendung, die irgendwo zwischen Prezi und PowerPoint anzusiedeln ist und in die auch soziale Netzwerke, wie beispielsweise Twitter, eingebunden werden können.
  • Snip ist eine Erweiterung des Snipping Tools. Mit dieser Anwendung lassen sich Screenshots anfertigen und anschließend mit einem Audiokommentar versehen. Als Tool ersetzt es für mich Anwendungen wie Jing, die ich bislang dazu genutzt habe, um ein Bild zu besprechen beispielsweise.
  • Office Online war ebenso Thema, wobei hier vor allem der Aspekt des kollaborativen Arbeitens betont wurde. Als besonders empfehlenswert wurde OneNote herausgehoben, das sich in Echtzeit nutzen lässt und dabei mehr als ein Notiztool ist. Man hat eine weiße Fläche, wie ein Packpapier, das man früher auf einen Tisch gelegt hat, und kann diese gemeinsam in Echtzeit beschriften.
  • Office Mix ist eine PowerPoint-Erweiterung. Mit ihr lassen sich Präsentationen um interaktive Elemente erweitern, es lassen sich Audio- und Video-Elemente hinzufügen und somit kleine aber feine Lernvideos erstellen. Ich könnte mir vorstellen, damit etwas Ähnliches wie mit Knovio zu machen. Ich muss aber zugeben, dass ich Office Mix noch nicht ausprobiert habe.
  • Auch ein Nicht-Microsoft-Produkt wurde in diesem Workshop genannt: Made with Mischief. Es handelt sich dabei um ein Sketching-Tool, das bei einem weißen Arbeitsblatt beginnt, bei einer weißen Fläche, die dann befüllt werden kann mit Texten, Bildern und Zeichnungen. Es erinnert durch die Zoom-Bewegungen sehr stark an Prezi und hat – in meinen Augen – durchaus auch Potential für den Einsatz im Unterricht.

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In einem zweiten Workshop beschäftigten wir uns mit unterschiedlichen Storytelling Tools. Dabei wurden unterschiedliche Tools genannt, zum Beispiel Learning Apps oder Padlet. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Storytelling, verschiedene Aspekte wurden abgebildet. Comics Head und Bitstrips wurden beispielsweise als Möglichkeiten genannt, mit Comics Geschichten zu erzählen. Auch Sway als Beispiel von Microsoft wurde genannt. Auch Angebote des British Council wurden vorgestellt. Die Padlet-Wall Storytelling im Unterricht liefert eine Zusammenschau aller präsentierten Tools. Als spannenden Hinweis nahm ich die Möglichkeit für mich mit, Tarotkarten zum Geschichtenerzählen zu verwenden. Die einzelnen Karten können zu Schreibanlässen umfunktioniert werden, was ich persönlich gerne mal ausprobieren werden.

Der dritte Workshop, den ich besuchte, beschäftigte sich mit der Lernen ist Persönlich App (kurz LIP App), die speziell für die Binnendifferenzierung innerhalb einer Klasse konzipiert wurde und die Individualisierung im Klassenzimmer ermöglicht. Die Folien der Präsentation sind online zugänglich.

Mittwoch, 2.9.2015: Vielfalt des Unterrichts


Der letzte Tag begann mit einer spannenden und kurzweiligen Keynote von Jörg Hofstätter (@osloprinz) mit dem Titel Über Minecraft und andere Unterrichtsmaterialien (Aufzeichnung), in der er unter anderem auf iMooX und Sofatutor verwies, das Physik-Lernspiel Ludwig noch einmal vorstellte und eben die Welt von Minecraft herzeigte. Dabei wurde klar, dass die Schüler/innen sich in einer anderen Welt bewegen, als die meisten Lehrer/innen und Eltern glauben und nicht alles, was nach Spiel aussieht, auch wirklich Spiel ist. Als Beispiel sei Minecraft EDU genannt, eine Seite, auf der sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten von Minecraft im Lernkontext gesammelt finden. Für mich nahm ich aus diesem Workshop ein Deutsch-Lernspiel mit: Lern Deutsch. Die Stadt der Wörter. Das Spiel stammt vom Goethe Institut, ist für Android und iOs verfügbar und ermöglicht das spielerische Erlernen der deutschen Sprache.

Eigene Aufnahme

Anschließend fand eine Speed-Dating statt – 27 Stände zum Thema „Für meinen Unterricht“. Ich durfte iMooX präsentieren und habe somit von den übrigen Tischen wenig mitbekommen. Jedenfalls eine sehr anstrengende Erfahrung: 27 Tische, in einem Raum, in kürzester Zeit alles zu präsentieren, was man so möchte. Meine Stimme war durchaus dankbar, als es vorbei war. Ich selbst hätte gerne noch länger weitergemacht, denn der Austausch war, trotz der knappen Zeit, ein sehr wertvoller und eben intensiver.

Für mich jedenfalls als Fazit eine mehr als gelungene Veranstaltung, die mir dabei half, mein Netzwerk zu vergrößern, alte Netzwerke zu pflegen und neue Anregungen für meinen Unterricht mitzunehmen. Wenn ich auch schon sehr viel kannte, so gab es dennoch wieder so einige neue Aspekte, Anregungen und inspirierende Momente, die ich in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten aufarbeiten werde(n muss). Denn die nächsten Events stehen schon wieder im Raum und der nächste Austausch kommt bestimmt.

Mittwoch, 9. September 2015

Von Verkehrsmitteln, Augentropfen und Zimt-Kaugummis (Nachlese zum 95. #EDchatDE)

Gestern war der erste reguläre #EDchatDE nach den Sommerspecials. Das Thema: Germany is #BackToSchool 2015“. Und obwohl ich eigentlich nur mitlesen wollte, war ich dann doch wieder recht aktiv dabei. Die Stimmung war eben ansteckend, motivierend und inspirierend. Und es waren vor allem wieder mal so viele bekannte Gesichter da. Das war einfach sehr nett. Ich konnte nicht anders.

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Und ein paar Fragen möchte ich hier noch mal aufgreifen, eine kleine Nachlese liefern zu den vielen Einzeltweets von gestern (die Frequenz war wieder mal recht hoch).

F4 Wie schaffst Du es, Bildungstechnologie effektiv in den Unterrichtsflow zu integrieren? Buzzword: #Mehrwert #EDchatDE

Ich habe mich da gestern schon ausführlich dazu geäußert, aber eben in Portionen à 140 Zeichen und somit ein wenig zerpflückt. Ich meine, der Mehrwert ist nur dann zu erreichen, wenn man die Medien und Technologien weise wählt, und zwar in Abstimmung mit den Methoden. Und diese sind wieder in Abhängigkeit des Lehr- und Lernziels zu wählen. Gestern auf den Punkt gebracht mit Lernziel > Methode >Medien (Technologien).



Es ist klar, dass natürlich auch die Rahmenbedingungen zu klären sind. Also zum Beispiel, die zur Verfügung stehende Infrastruktur, die Policy der Bildungsinstitution (beispielsweise zur Nutzung von Cloud-Diensten oder Web 2.0-Anwendungen) oder auch die datenschutz- und andere rechtliche Bestimmungen. Aber essentiell ist das Wissen darum, wohin ich eigentlich will. Ich versteife mich auch auf kein Verkehrsmittel, sondern wähle das, das eine optimale, effiziente, angenehme, bequeme Reise ermöglicht. Und so halte ich es auch mit den Medien und Technologien. Wenn ich weiß, was ich als Learning Outcome erzielen oder bewirken möchte, dann ergeben sich Methoden und Medien oft beinahe von selbst.

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Überspitzt gesagt: Aus Birnen wird kein Apfelstrudel. Wenn ich also das kollaborative Arbeiten trainieren möchte, wähle ich kollaborative Schreibpads (ob Etherpad oder ZUMpad, Google Dokument oder OneNote ist dann im Grunde egal). Will ich eine kurze Lernzielkontrolle durchführen, so kann ich in einem synchronen Setting Kahoot! oder Quizizz verwenden, in einem asynchronen Setting muss ich auf LearningApps ausweichen. Das sind nur zwei Beispiele, die mir auf die Schnelle dazu einfallen. Es geht nicht um die Medien und Technologien, es geht um die Art und Weise, sie in den Unterricht zu integrieren. Und diese hängt wieder von den Lernzielen ab. Und dabei ganz wichtig – und das hat André J. Spang (@tastenspieler) auch so schön betont gestern: Vorab ausprobieren und nicht unvorbereitet einsetzen.



Das ist ein wichtiger Punkt. Klar, ich habe meinen Plan A. Ich habe dazu immer einen Plan B, wenn etwas doch nicht so klappt (Sie kennen die Eigentlich-Pädagogik?) und dann habe ich noch Plan C-Z als Improvisation. Aber auch die braucht viel Übung und Erfahrung - danke Peter Ringeisen (@vilsrip) für die Anmerkung.



Die Schwellenpädagogik ist kein Thema (auch wenn sie manchmal einfach „notwendig ist“).

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F7 Wie sieht Dein eigenes „Teacher-Survival-Kit“ für das kommende Schuljahr aus? Gerne mit Foto ;) #EDchatDE

Ich hab mich gestern ja schon als Zimt-Kaugummi-Junkie geoutet. Sie helfen bei schlechter Laune und sind sowas wie mein Teacher-Survival-Kit. Für den Rest mach ich Impro ;-) Aber ganz im Ernst: Das von Axel Krommer (@mediendidaktik_) gepostete Foto entspricht bis zu einem gewissen Grad auch meiner Ausrüstung.


Nur da kommen auch noch analoge Dinge, wie Kreide, Tipp-Ex, Pinnnadeln, Post-its und so einiges andere dazu. Den Mehrfachstecker werde ich mir wohl noch abschauen – den find ich (gerade wenn ich auch an Tagungen und ihren latenten Steckdosenmangel denke) äußerst sinnvoll im Handgepäck. Und ich möchte noch zwei weitere (digitale) Elemente aus dem Survival-Kit anfügen: Den OER-Schummelzettel No1 und den Schummelzettel No2. Beide aus Projekten, Veranstaltungen und Initiativen rund um die Virtuelle Pädagogische Hochschule (VPH) in Österreich entstanden und beide äußerst hilfreich, wenn es um die Lehre und den Unterricht und gegebenenfalls fehlende Ideen geht. Und auch die Seite OER Mythbusting! ist sehr hilfreich bei Fragen zu Unterrichtsmaterialien und OER.

Und für mich als Survival-Kit natürlich (?!) auch immer dabei – und das klingt vielleicht seltsam – Augentropfen.

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Die Erklärung ist einfach: Durch das viele Arbeiten am Computer und mit mobilen Devices sind meine Augen trocken. Trockene Augen zwingen zum Zwinkern, man wirkt müde. Das Leuchten in den Augen fehlt. Und mit dem Leuchten fehlt das, was in der ersten Frage gestern behandelt wurde:

F1 Du betrittst die Klasse motiviert – und gehst motiviert. Du strahlst diese Motivation aus und steckst an. Tipps? Geht das? #EDchatDE

Ich schaue meine Lerner/innen gerne an und das mit strahlenden Augen, ohne Müdigkeit. So einfach ist das. Wenn ich müde wirke, spiegeln die Lerner/innen diese Müdigkeit und sind selbst schwer zu motivieren. So zumindest meine Erfahrung. Und deshalb die Augentropfen. #Blogbeichte somit erledigt ;-)

Was mir in diesem Zusammenhang gestern auch wichtig war, ist die Authentizität. Beim Auftreten einer Lehrenden spielt diese eine zentrale Rolle.

Die Lerner/innen spüren, ob man das, was man sagt und tut, ehrlich meint. Sie spüren das Echte. Sie merken, wenn man sich unwohl fühlt, eben auch wenn man müde ist. Oder wenn man mit einer Methode an seine Grenzen stößt. Ich verstehe, wenn meine Lerner/innen sich mit einigen Methoden unwohl fühlen. Das tue ich auch. Ich mag keine Ballwurfspiele im Unterricht – gehe meist eher in Deckung (obwohl ich eigentlich längere Zeit Handball gespielt hab) und mag auch die imaginierten Bälle, die dann oft herangezogen werden nicht. Ich fühle mich dabei unwohl und setze es auch nicht ein im Unterricht. Und so ist auch mein Medieneinsatz. Ich setze Medien und Methoden ein, „mit denen ich kann“ und ärgere mich dabei auch, wenn sie nicht funktioniere (beides, Medien und Methoden). Aber das ist dann eben so. Emotionen im Unterricht sind ja auch nicht falsch. Das macht uns zu Menschen. Man sollte es aber – wie so oft im Leben – nicht übertreiben. Und manchmal reicht einfach ein Lächeln:

Montag, 7. September 2015

MOOCs in der Schule für die Schule

Ich durfte letzte Woche an der eEducation Sommertagung 2015 unter dem Titel Building Bridges - Creating Networks teilnehmen und für die Tagung auch aktiv einen Workshop im Open Space halten. [eine persönliche Nachlese er Tagung folgt natürlich]. Das Thema des 45-Minuten-Workshops lautete MOOCs in der Schule? Hype? Fail? Success? und ich hatte mir zum Ziel gesetzt, die Frage nach der Eignung von MOOC s für den Einsatz in der Schule zu beantworten.

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Rund um das Thema MOCOs herrscht ein HYPE. Und das schon länger. Das steht außer Frage. Dabei wird immer wieder gerne darüber diskutiert, ob MOOCs die Schule und Hochschule ersetzen können, ob sie das geeignete Tool zur Ausbildung oder eher zur Fortbildung im Sinne des Lifelong Learning sind oder eigentlich nur ein kurzer Hype, der sicherlich wieder verschwindet. Dabei wird dann diesem Kursformat wieder vorgeworfen, dass die Anmeldezahlen zwar massive seien, dass aber die Abschlussquoten eher bescheiden ausfielen und dass das Lernen im virtuellen Raum auch eine schwierige Sache sei. Das Thema ist also in aller Munde – auf unterschiedlichen Ebenen wie der ökonomischen, der politische, wissenschaftlichen, sozialen und auch der bildungstheoretischen. Didaktische Designs werden für MOOCs entworfen, die u.a. dazu beitragen sollen, dass die Teilnehmer/innen möglichst lange dabei bleiben und die Kurse möglichst auch abschließen.

Und das ist auch gut so. Es ist gut, dass die Kurse ein didaktisches Design haben, dass sie einen roten Faden und eine Struktur aufweisen, die der Zielgruppe entsprechen (so man diese in einem MOOC überhaupt voraussagen kann). Und es ist auch gut, dass das Thema MOOC mittlerweile auch in die Schulen überschwappt. Vorletzte Woche erschien dazu ein Artikel von André J. Spang (@tastenspieler) mit dem Titel Aus der Praxis: MOOCs in Schulen – eine gute Idee?! Darin berichtet er von einer Mini-Studie, die er unter Schülerinnen und Schülern durchführte und die das Ergebnis lieferte, dass sich Schüler/innen auch in den Ferien mit MOOCs beschäftigen würden, weil es ihnen um den Wissensgewinn und nicht das Erreichen von Badges oder Teilnahmebestätigungen gehe. Als Themen können sich die Schüler/innen dabei sehr viel vorstellen. So schreibt André J. Spang:

Die Lernenden wünschten sich eine klare Themenvorgabe für den MOOC. Entweder zur Vertiefung von schulischen Themen, zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Prüfungen oder auch ein Thema, das im "normalen" Schulunterricht nicht vorkommt wie Prävention, Webliteracy, Games, Coding, Musik, Gesellschaftspolitik und verschiedene Hobbies. (Aus der Praxis: MOOCs in Schulen – eine gute Idee?! von André J. Spang ist lizenziert unter CC BY-SA.)

Gleichzeitig geht er auch auf die technischen Hindernisse oder allgemein Stolpersteine in der Realisierung bzw. der (erfolgreichen) Absolvierung von MOOCs ein. Und endet schließlich damit, selbst einen MOOC machen zu wollen und dafür Mitstreiter/innen zu suchen. Schließlich haben MOOCs ein hohes Potential für unterschiedliche Lehr- und Lernkontexte, bieten multimediale Lehr- und Lernunterlagen an, die Lernen in kleinen Happen ermöglichen.

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Und André J. Spang hat absolut Recht. Es ist gut, Mitstreiter/innen zu suchen, denn das Produzieren eines MOOCs als Einzelperson ist – neben der Arbeit in der Schule – nur schwer möglich, bis beinahe unmöglich. Darüber hinaus bringen kollaborative Arbeiten ein Mehr an Ideen und Perspektiven, erweitern somit den Erfahrungsraum und auch die thematische Ebene. Und es ist gut, MOOCs in die Schule zu bringen, denn gerade für die Bewältigung eines MOOCs braucht man spezifische Kompetenzen, die auch später an der Hochschule und allgemein im lebenslangen Lernen äußerst hilfreich sein können, wie der Autor richtigerweise schreibt:
Hier genau liegt auch ein Knackpunkt der MOOCs, denn freies, selbstgesteuertes Lernen und Partizipation ist eine Lernkultur, die im schulischen Bildungskontext nicht forciert wird. Um in einem MOOC aber erfolgreich zu partizipieren und nicht einer der vielen sogenannten "Lurker" zu sein, die eher still mitlesen und konsumieren, müssen selbstgesteuerte Lernkompetenzen, Kommunikationsbereitschaft, Kreativität aber auch kritisches Hinterfragen gefordert und gefördert werden.  (Aus der Praxis: MOOCs in Schulen – eine gute Idee?! von André J. Spang ist lizenziert unter CC BY-SA.)

MOOCs sind also auf unterschiedlichen Ebenen für die Schüler/innen und Lehrer/innen interessant, das hat auch der Workshop gezeigt. Es geht in einer ersten Ebene gar nicht darum, selbst MOOCs zu produzieren. André J. Spang ist da schon viel weiter. Es geht auf einer unteren Ebene, quasi als Einstieg, darum, MOOCs im Unterricht einzusetzen – oder zumindest Materialien aus MOOCs, so die rechtliche Ebene es zulässt (Stichwort: offen bzw. OER). Mit MOOCs und ihren Videos ist es einfach, sich Expertinnen und Experten ins Klassenzimmer zu holen. Es ist im Sprachunterricht möglich, mit Natives in Kontakt zu treten, einen authentischen Sprachanlass zu kreieren und Lerner/innen in einem MOOC-Forum z.B. eine Frage stellen oder Postings anderer kommentieren zu lassen. Das Klassenzimmer wird geöffnet. Also Beispiel ist der MOOC Österreich und die Europäische Union zu nennen, der jetzt im Herbst starten wird und speziell für den Einsatz in der Schule konzipiert wurde. In diesem MOOC kommen jene Politiker/innen zu Wort, die damals, vor 20 Jahren, als Österreich Mitglied der EU wurde, eine wichtige Rolle spielten. Die eine oder andere Anekdote, wie sie in traditionellen Schulbüchern nicht zu finden ist, wird dabei mitgeliefert. Und das alles als ergänzendes Material zum Schulbuch oder anderen Medien. Hier ein kleiner Einblick:



Begabte können mit diesen Materialien ebenso gefördert werden, wie eher Lernschwache. Für die einen gibt es zusätzliche Materialien zum Vertiefen ihrer Kenntnisse oder zur Weiterbeschäftigung mit einer Thematik. Vielleicht passt für ein Wahlpflichtfach Biologie der MOOC Krankheiten selbst bestimmen mit dem Internet, kurz Dr. Internet? Hier wird das Recherchieren von Krankheiten im Zentrum stehen und die Frage, wann man sich an einen Arzt wenden sollte und wann man auch im Internet Rat suchen kann. Man lernt nicht nur über Krankheiten, sondern auch zusätzliche Recherchekompetenzen und auch das Einschätzen von Situationen, des Gehalts von Quellen und Ähnliches wird trainiert. Für die anderen kann das Material auch quasi die Mindestanforderung in einem Fach verdeutlichen oder kompakt zur Verfügung stellen. Also Beispiel der MOOC Jetzt geht's rund: Der Kreis – Einfache Konstruktionen für Anfänger (5. Schulstufe). Nehmen wir an, in der 6. Schulstufe wird der Kreis als Thema wiederholt, um anschließend mit dem Zylinder weiterzumachen (nur als Beispiel – keine Ahnung, wie der Mathematik-Lehrplan genau aufgebaut ist). Man könnte also die Materialien aus dem Kreis-MOOC heranziehen, um zu sagen: Das ist die Basis, die wir brauchen, um fortfahren zu können. Schaut euch die Videos an, macht die Übungen und wiederholt das Basiswissen.

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Zum anderen können MOOCs auch zusätzliche Materialien bereitstellen, für Themen beispielsweise, die im Lehrplan so vorgesehen sind oder in den Bereich der überfachlichen Kompetenzen fallen. Hier zum Beispiel ein Thema, das auf der eEducation Sommertagung 2015 ebenfalls – nämlich in einer Podiumsdiskussion – diskutiert wurde: Hasspostings. Der Umgang mit öffentlich gezeigtem Hass und veröffentlichten Hasspostings ist ein wichtiger Punkt der Medienerziehung (und nicht nur dieser). Es ist allgemein wichtig, mit Medien und Social Media umgehen zu können. An anderer Stelle hatte ich mich zu diesem Thema bereits geäußert. Und auch hier können MOOCs wiederum eine entscheidende Hilfe leisten. Als Beispiel sei der MOOC Soziale Medien & Schule: für wen, wieso, wozu? genannt. Dieser beleuchtet das Thema Social Media aus unterschiedlichen Perspektiven (sowohl von Expertinnen und Experten als auch Schülerinnen und Schülern) und bringt Themen wie Cybermobbing, Datenschutz, Urheberrecht und Netiquette ebenso zur Sprache wie einen Definitionsversuch von Social Media und einen Überblick über die breite Vielfalt. Wissen Sie, was ein Ego-Poster ist? Im Social Media-MOOC wird die Antwort verraten ;-)

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MOOCs können aber gerade auch für Lehrer/innen eine wichtige Lernressource sein. Es gibt zahlreiche Themen, die aus unterschiedlichen Gründen für Lehrende interessant sein können. Es gibt natürlich immer die inhaltliche Ebene, um quasi in einem Themengebiet auf dem Laufenden zu bleiben. So wie beispielsweise im Bereich E-Learning & Recht. Der gleichnamige MOOC startet im November 2015 und wird sich mit allgemeinen Aspekten der Thematik ebenso beschäftigen wie mit spezifischen Änderungen, die die Urheberrechtsnovelle bringt. Es gibt für Lehrende aber auch die Möglichkeit, sich in neue Bereiche einzuarbeiten – so zum Beispiel im MOOC Graz – die smarteste City Österreichs. Hier wird Graz beispielsweise aus Sicht der Stadtsoziologie betrachtet und es wird geklärt, wem die Stadt denn nun eigentlich gehört. Hier wird Graz auch als Stadt der Weltraumforschung und der nachhaltigen Mobilität vorgestellt.

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Die Beispiele zeigen, dass sich MOOCs und ihre Materialien auf vielfältige und sinnvolle Art und Weise in den Unterricht integrieren lassen – als Ergänzung, als eigenständiges Material, als Nachschlagewerk. MOOCs sind also sicherlich auch ein SUCCESS. Hier dazu ein Erfahrungsbericht.

Doch werden sie zum FAIL, wenn man sie als Stand-Alone-Lösungen einsetzen will. MOOCs und ihre Materialien sind wie alle anderen Medien Lehr- und Lernressourcen, die einer didaktischen Einbettung in das Klassenzimmer bedürfen. Sie bieten die Möglichkeit der Partizipation, der Kommunikation und Interaktion. Dafür aber müssen sie vor- und nachbereitet werden. Ob sich das didaktische Modell am Setting eines Flipped oder Inverted Classrooms orientiert, oder weiterführende Aufgaben an die MOOC-Ressourcen angeknüpft werden, wie beispielsweise separate Lernzielkontrollen, Arbeitsaufträge in einer Lernplattform, gelenkte und moderierte Forendiskussionen, Quellenkritik u.v.m., spielt keine Rolle. Wichtig ist die Wiederaufnahme und Thematisierung im Unterricht. Wir kennen das: Werden Leistungen und Arbeitsaufträge nicht überprüft, sinkt oftmals die Motivation, sie überhaupt oder weiterhin auszuführen. [Intrinsisch Motivierte sind natürlich ausgenommen.] Jedenfalls sollten wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass MOOCs immer auch das Ganze meinen. Viele Lerner/innen picken sich aus MOOCs jene Elemente heraus, die für sie im Speziellen interessant sind. Sie melden sich für den Kurs an, ohne je vorgehabt zu haben, den Kurs zu „beenden“. Sie interessieren sich für eine Einheit, ein Video oder eine Sequenz… Vielleicht können Badges helfen, dieses spezifische Lerninteresse auch sichtbar zu machen. Dazu mehr in diesem Blogpost.

Aber vielleicht wollen die Lerner/innen das gar nicht (siehe Artikel von André J. Spang). Vielleicht sind wir mit dem Sichtbarmachen einfach schon zu verkrampft? Oder wann wünschten Sie sich das letzte Mal einen Badge, weil Sie ein Buch gelesen oder eine Dokumentation angesehen hatten?
[tl;dr: MOOCs werden gehypt und sind auch in der Schule als Thema angekommen. Dort entscheidet die didaktische Einbettung und Gestaltung, ob sie zum Erfolg oder Misserfolg werden.]

Freitag, 21. August 2015

Die Zeiten ändern sich

Blicken wir der Tatsache ins Auge. Die Zeiten ändern sich. Ob zum Guten oder zum Schlechten möge jede/r für sich selbst beantworten. Wahrscheinlich auch situationsabhängig. Aber wir sehen die Veränderungen in unserer Umgebung (und nein, ich meine nicht die Klimaerwärmung – wobei: die auch!).

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  • Nehmen wir die Sprache: Sprache ändert sich, sie wandelt sich. Neue Begriffe kommen hinzu, andere verschwinden. Was bei Opa noch dufte war, ist heute bambus. Wer erinnert sich noch an das Jugendwort des Jahres 2014? Na klar: Läuft bei dir. Wer hat’s gewusst? ;-) [Fast so heißt übrigens auch die neue CD der Wise Guys Läuft bei euch – die Jungs gehen eben voll mit der Zeit.] Die Jugendsprache gilt dabei als besonders innovativ. Dieser Sprachwandel lässt sich auch im Englischen nachvollziehen (wie die Updates im Oxford Dictionary zeigen) und auch die Académie française reagiert darauf mit neuen Einträgen in der 9. Auflage.
  • Nehmen wir wissenschaftliche Arbeiten: Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob Wikipedia eine zitierbare Quelle ist). Und immer häufiger steht man vor dem Problem, wie man aus Blogs und sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook zitieren solle. Die Schreibwerkstatt hat hierzu einen guten Überblick zusammengestellt. Die großen Zitationsstile haben diesen Punkt bereits aufgenommen. Und auch das Thema Zitieren von E-Books ist ein spannendes. MLA und APA, um zwei Beispiele zu nennen, haben darauf bereits reagiert. 

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  • Nehmen wir Emoticons: Wer dachte, er hätte die Welt der Emoticons und Abkürzungen in der SMS- und Messenger-Sprache verstanden, der irrt. Denn auch hier gibt es einen Wandel. LOL hat ausgedient. Stattdessen wir wiedergelacht: haha . Wer hier den Überblick nicht verlieren will, muss einfach aktiv bleiben. SRF hat eine Sammlung häufiger und nicht so häufiger Abkürzungen zusammengestellt. Ich hab dazu ja auch schon mal gebloggt.
  • Nehmen wir die Einstellung der Studierenden: Sind aktuelle Studierende fauler oder schlechter als frühere Generationen? Sind sie effizienter, fokussierter und pragmatischer? Sind sie angepasster? Ich durfte dem wunderbaren Bob Blume (@legereaude) zu diesem Thema auf seinem Blog Rede und Antwort stehen. Und es ist spannend, wie viele Kommentare es in den Social Networks dazu bereits gegeben hat. Hat sich hier etwas verändert? Oder ist eigentlich alles beim Alten? Die Diskussion zeigt, dass diese Frage viele betrifft und deshalb auch interessiert. Eine Antwort darauf kann – zumindest ich – nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus und somit sehr subjektiv geben. Nachzulesen bei Bob Blume unter „Querdenken nicht erlaubt!“.

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  • Nehmen wir das LesenEbooks are changing the way we read, and the way novelists write lautet die Überschrift eines Artikels im Guardian. Das hat mit den unterschiedlichen Ichs zu tun, die wir in der heutigen Zeit einnehmen (dazu: Mein Social Media-Ich). Das hat auch mit unseren Lesegewohnheiten zu tun. Und mit unserer Aufnahmefähigkeit. Das Lesen ändert sich. Und es beeinflusst das Schreiben. Wie lesen Sie?

Die Zeiten ändern sich, oder?

Donnerstag, 20. August 2015

Generation 140 Zeichen

Heute mal nur ein kurzer Blogpost zur Nutzung von Messenger-Diensten.

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Ich finde es ja immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Nutzung verschiedener Messenger-Dienste in verschiedenen a) Altersgruppen und b) Ländern ist. Ich probier‘ ja selbst viel aus. Aber ich gehör' dann doch noch zur Generation SMS. Ich schreib sie gerne. Habe wie bei Twitter eine schöne Zeichenbeschränkung. Dann muss ich mich wenigstens kurz halten. Plauder ja sehr gern. Und auch sehr viel. Ich nutz ja aber auch Skype sehr gerne. Und auch Facebook natürlich zum Austausch kurzer Nachrichten (in dem Fall den Privatnachrichtendienst in der Webapp und nicht den Messenger – den hab ich nämlich nicht installiert). Am liebsten aber Twitter – sowohl klassische Tweets als auch Direktnachrichten, die ja mittlerweile eine Zeichenbeschränkungsbefreiung erlebt haben. Das find ich spannend, wenngleich es noch ein bisschen verstörend für mich ist. Ich schau immer noch so ein wenig panisch auf die Zeichenbeschränkung, die ja jetzt nicht mehr da ist. Vielleicht mag ich Twitter deswegen am liebsten; weil ich zur Generation 140 Zeichen gehöre. Und da auch bleibe. So wie bei den SMS eben. Und irgendwie ist es ja eine Kunst, in 140 Zeichen alles zu sagen (Lektüreempfehlung zum Thema: Prof. Dr. Twitter-Muffel in der Süddeutschen Zeitung). [Zum Labern gibt's ja den Blog ;-)]
  • Wenn ich mir da aber so die aktuellen Umfrageergebnisse ansehe, dann verorte ich mich irgendwie kaum mehr oder nur teilweise in den Ergebnissen. Der Standard hat für dazu heute geschrieben: 76% einer befragten Gruppe von 501 Internet-Nutzerinnen und –Nutzern zwischen 15 und 69 Jahren nutzen WhatsApp, 46% den Facebook-Messenger und nur 16% SMS.
  • Im französischen Fernsehmagazin Télé-loisirs.fr wird eine Umfrage aus den USA aus dem Dezember 2014 kommentiert, Snapchat liegt bei den 18- bis 24-Jährigen mit 45% klar in Führung vor Vine und Tumblr (beide 28%). Bei den 25- bis 34-Jährigen teilen sich die Spitze Snapchat, Instagram und Pinterest ex aequo mit 26%, jeweils aber nur einen Prozentpunkt für Tumblr und Google+. Bei den 35- bis 44-Jährigen sind Google+ und LinkedIn mit 22% in Führung, einen Prozentpunkt vor Twitter und Pinterest. Jedenfalls liegt ab hier dann keine Anwendung mehr klar in Führung.
  • Wenn man hier noch die JIM-Studie (S. 26) mit heranzieht, die zeigt, dass bei den zwölf- bis 19-Jährigen in Hinblick auf die Nutzung des Internets die Kommunikation mit 44% klar vor dem Bereich Unterhaltung, also Videos, Bildern und Musik z.B., mit 25% liegt, dann deckt das doch.
Es ist sicherlich spannend, sich hier die Einzelergebnisse anzusehen und eine Interpretation zu wagen. Und einige erste Gedanken schießen mir durch den Kopf, die für mich plausible Erklärungen finden. Der Selfie-Wahnsinn und berufliche Argumente sind genauso dabei wie die Visualisierungssucht, die derzeit herrscht. [Beispiel: Wer hätte vor Jahren daran gedacht, beim Poltern zu fotografieren und die Fotos dann in sozialen Netzwerken zu teilen?]

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Und darin zeigt sich auch das große Potential der Social Media-Anwendungen im positiven wie im negativen Sinn. Heute wird alles dokumentiert. Die Meinung wird öffentlich geschrieben, nicht bloß im Privaten kundgetan. Und das nimmt dann mitunter erschreckende Formen an, wie auch Armin Wolf (@arminwolf) in einem Facebook-Posting Warum die Sicherheit nicht wiederkommt darlegt (man achte vor allem auch auf die Kommentare!). Wird die Hemmschwelle niedriger? Werden die Trolle mehr oder sind sie lauter als früher? Ich kann das nicht wirklich beurteilen. Ich habe keinen Vergleich. Sie haben aber jedenfalls eine andere Bühne. Eine viel öffentlichere als früher der Wirtshausstammtisch. Und eine nachhaltigere. Denn was einmal im Netz ist, das bleibt dort auch. Und niemand sollte wegsehen!

[PS: Einige Beispiele gibt es ja aktuell bereits, in denen Mitarbeiter/innen oder auch Lehrlinge aufgrund von Postings in Social Networks ihren Job verloren. Die Salzburger Nachrichten, Der Standard oder auch die Kleine Zeitung berichteten.]

[PPS: Interessant zum Thema das Video: Hass im Netz vom deutschen Fernsehsender Das Erste.]

Mittwoch, 19. August 2015

Blogstöckchen gefangen und weitergeworfen

Jeden Dienstag findet ja bekanntlich der #EDchatDE statt. Da gibt es dann ein Thema. Jede Woche ein anderes. Und es gibt Fragen, auf die man sich vorbereiten kann – aber nicht muss. Und manchmal gibt es da auch Blogparaden zur Vorbereitung oder Nachbereitung. Oder eben Blogstöckchen. Und ein solches hat mich aus Lübeck erreicht. Nächsten Dienstag moderieren Anja Lorenz (@anjalorenz) und Andreas Wittke (@onlinebynature) den #EDchatDE. Das Thema Ist Geiz geil? – Kostenloskultur in der Bildung.

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Nun will ich das Blogstöckchen aufheben und werde die mitgeworfene Aufgabe auch gleich erfüllen. Das ist irgendwie so wie beim Eurovision Song Contest: Hier also die Grazer Antworten. ;-)

Was waren die letzten 3 Bildungsressourcen (Materialien, Bücher, Kurse, Workshops, Konferenzen, Devices/Hardware…), die Du kostenlos bekommen und verwendet hast?


Die Frage ist ja doch wohl irgendwie gemein. Erst gestern war #EDchatDE und da sind Sturmfluten an Materialien und Ideen hereingekommen. Ich bin da aber erst am Sortieren und werde da auch wieder einen Blogpost schreiben [das Blogstöckchen kam dazwischen ;-)]. Gleiches gilt für die einzelnen Social-Media-Kanäle, auf denen ich mich herumtreibe [siehe Mein Social Media-Ich]. Da gibt es immer wieder Materialien, die ich sehe und so es erlaubt ist, in der eigenen Lehre einsetze. Und dann habe ich auch noch ein Buch geschenkt bekommen. Ich verrate aber den Titel noch nicht, denn auch dazu werde ich noch bloggen. So als kleine Sommer-Rezension. Und auch als Lektüreempfehlung, denn das Buch war echt gut. Und mein lieber Kollege Tobias Raue (@TobiRaue) hat mir Materialien zum Erstellen ansprechender, umwerfender PowerPoint-Präsentationen für meine Lehre zur Verfügung gestellt. Sie stehen unter einer CC-Lizenz, ich darf sie verwenden. Und sie sind sehr inspirierend. Prinzipiell aber ist dieser Beitrag in meinem Blog zu lesen. Auf Blogger. Damit bin ich auch in der kostenlos zur Verfügung gestellten Anwendungswolke von Google gelandet. Wobei sie ja eigentlich nicht so ganz kostenlos ist, im strengen Sinne halt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und was waren die letzten 3 Bildungsressourcen, für die Du (oder Dein/e Arbeitgeber/in) Geld ausgegeben hast?


Ich hab mir vor dem Urlaub einige Bücher gekauft und auch ausgelesen. Das mach ich irgendwie ohnehin ständig. Ob E-Book oder gedrucktes Buch, ich lese meist an zwei bis drei Sachen gleichzeitig. Dann waren da auch so einige Tagungsbesuche, aus denen ich sehr viel mit auf den Weg nehme und die zumindest die Dienstreisen kosten (wenn schon keine Tagungsgebühr anfällt). Und ja, dann nehme ich auch regelmäßig an Fortbildungen teil, die ebenso kostenpflichtig sind. Sie einzeln zu nennen, wäre hier aber wohl ein wenig langweilig.

Betrachte diese 6 Punkte und überlege, ob es für Dich einen Unterschied macht, ob Du für etwas im Bildungsbereich Geld investiert hast oder nicht.


Nein, für mich macht es eigentlich keinen Unterschied. Ich bin gerade bereit, für Wert- und Sinnvolles zu zahlen. Ich bin nicht bereit für Überholtes, Fades und Schlecht-Gemachtes zu bezahlen. Das ist eigentlich schon die ganze Wahrheit. Ich nutze unterschiedliche Anwendungen, teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig, nebeneinander. Ich mag die Auswahl, mag mich nicht beschränken lassen [ok, manchmal muss man sich beschränken, aber im Grunde eigentlich nicht]. Ich suche dabei immer nach den für eine bestimmte Situation, ein Lern-, Lehr- oder Arbeitssetting, geeigneten Anwendungen und auch nach kostenfreien Alternativen. Klar, wenn es zwei Anwendungen gibt, die das Gleiche können, von der die eine kostenlos ist und die andere kostenpflichtig, dann entscheide ich mich schon für die kostenfreie Variante. Lege dabei auch keinen besonderen Wert auf große Namen oder Marken.

Wann gibst Du für etwas Geld aus? Wann sind für Dich kostenlose Bildungsressourcen die bessere Lösung?


Das hab ich grad oben schon dargelegt. Ich bin bereit für Dinge zu bezahlen, die für mich wert- und sinnvoll sind. Dabei entscheide ich subjektiv. Und manchmal zahle ich auch für Innovatives, wenn ich es für Wert befinde. Ich bin aber nicht bereit, für Dinge, die es auch kostenlos gibt, zu zahlen, nur weil sie von einer bestimmten Marke oder Firma kommen. Kostenlose Bildungsressourcen sind somit eine Lösung, wobei immer die Alternativen abzuwiegen sind. Das ist wie bei anderen Dingen im Leben auch. Ich halte das auch so, wenn ich Kleidung shoppe, oder Schuhe. Oder Handtaschen. Oder Möbel. Es muss auch nicht immer der Rolls Royce sein, es kann auch mal der Mini sein. Oder der Golf. Die Entscheidung für das eine oder das andere ist sehr subjektiv. Und meistens wäge ich vorher ab. [Meistens, denn manchmal kaufe ich auch spontan. Und oftmals bereue ich dann ebenso spontan.]

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Hast Du selbst schon OER oder kostenpflichtige Lerninhalte ins Netz gestellt?


Ich mache meine Materialien meist selbst. Also eigentlich sehr oft. Und fast immer. Ich bin hier jedenfalls auf der OER-Schiene daheim. Ich versuche, alle meine Materialien unter CC zu stellen. Mein Blog, meine Webinar-Unterlagen, meine Präsentationen. Auch viele Artikel, die ich schreibe, sind kostenfrei unter CC zu bekommen, so auch MOOCs as granular systems: design patterns to foster participant activity. So wie das Moodle-Praxisbuch Am Anfang steht der leere Kurs, das ich geschrieben hab. Oder den E-Book-Leitfaden Interaktive E-Books - technische und didaktische Empfehlungen, den ich gemeinsam mit Michael Raunig schreiben durfte. Er ist im EPUB-Format und unter CC erschienen. Oder die Kurse auf iMooX, die alle unter einer CC-Lizenz stehen. Auch da habe ich aktiv mitgemacht. Mein Keks-Blog, meine Rezept-Blog und mein Mediendidaktik-Blog sind alle unter CC. Die Präsentationen auf Slideshare poste ich zwar unter dem Account der Akademie für Neue Medien und Wissenstransfer, aber auch diese sind unter CC. Mein MOOC-Handlungsleitfaden How to MOOC? steht auf dem Open Access-Server der Universität Graz zur freien Verfügung – ebenfalls unter CC. Es war für mich eine große Ehre am Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T), herausgegeben von Martin Ebner und Sandra Schön, mitzuschreiben. Steht ja auch unter CC. Und gemeinsam mit meinen Studierenden des Fachdidaktik-Proseminars aus dem Sommersemester 2015 arbeite ich gerade an einem E-Book von Lehrenden für Lehrende zum Thema Social Media & OER. Natürlich als OER.

Und das sind jetzt mal die Dinge, die mir so auf die Schnelle eingefallen sind. Noch Fragen? ;-)

Bleibt noch das Stöckchen wieder weiterzuwerfen. Nicht apportieren. Nur weiterwerfen. Ich nominiere also:

  • Sandra Schön (@sandra_schoen), weil sie für mich eine Vorreiterin im Bereich OER ist;
  • Timo van Treeck (@timovt), weil ich mit ihm bei L3T zusammenarbeiten durfte und wir uns immer wieder mal über Lizenzierungen unterhalten;
  • Jörg Pareigis (@joergelp), weil mich die schwedische Perspektive interessieren würde.