Donnerstag, 11. September 2014

Lerntypen, Lernstile oder wie auch immer...

Ich mag die Idee von Lerntypen. Das möchte ich gleich vorweg klar stellen. Es gibt Diskussionen, ob es Lerntypen gibt oder nicht und ob man seine Lehre in Hinblick auf diese Lerntypen gestalten soll. Und vielleicht sollte man sie auch nicht Lerntypen nennen, sondern Lernstile? Egal, wie man die Sache nennt, es gibt einfach unterschiedliche Kanäle, über die wir bevorzugt wahrnehmen und Wahrgenommenes abspeichern. Ich weiß für mich, dass ich zwar immer wieder als visueller Typ eingestuft werde, dass mir aber das laute Lesen und das Markieren von Elementen sehr viel geholfen hat. Zum Exzerpieren hat meistens die Motivation nicht gereicht, aber das ist eine andere Sache... Und deshalb versuche ich auch meine Unterricht immer so zu gestalten, dass unterschiedliche Kanäle angesprochen werden. Somit kommt Abwechslung ins Spiel und die ist ja bekanntlich im Unterricht nicht schlecht (Lerntypen hin oder her).

Vielleicht gefällt mir aus diesem Grund auch der Ansatz Howard Gardner so gut, der meint: 'Multiple intelligences' are not 'learning styles' und seine Theorie der multiplen Intelligenzen auch darlegt. Vielleicht ist es nur eine neue Art etwas Altes zu benennen, also quasi alter Wein in neuen Schläuchen oder Fässern (ich mag dieses Bild). Aber ich denke, dieser Ansatz ist jedenfalls einer Beachtung würdig. Und irgendwie ist es absurd, dass die Theorie der multiplen Intelligenzen auch wieder auf Lernstile herunter gebrochen wird.

Also alles beim  Alten, oder wie? Fast, denn in den meisten Fällen wird von drei bis fünf Lern- oder Wahrnehmungstypen (auch hier wird das eine auf das andere zurückgeführt oder umgelegt) gesprochen. Visuell, auditiv und kinästhetisch ist immer dabei, dem VAKOG-Modell folgend kommen auch olfaktorisch und gustatorisch hinzu. Gardner aber geht von sieben verschiedenen Intelligenzen aus, aus denen sich sieben Lernstile ableiten lassen. Dabei kommt die interpersonale und die intrapersonale Ebene genauso hinzu wie die mathematisch-logische. Es wird also auch berücksichtigt, dass das Lernen in Gruppen nicht für alle gleich gut funktioniert und dass es auch sinnvoll sein kann, Dinge alleine zu erarbeiten. Gleichzeitig wird aber gerade dieser soziale Aspekt auch herausgestrichen, was im Zusammenhang mit Sozialen Netzwerken und in Hinblick auf die Lerntheorien des Konstruktivismus und Konnektivismus spannend ist. Dabei werden gerade so alte Meinungen wie "Beim Lernen sollst du keine Musik hören." oder "Stillarbeit ist sehr fruchtbar." (ja, sowas habe ich im Unterricht noch gehört) vielleicht nicht widerlegt, aber dennoch relativiert: Denn jede/r hat seinen/ ihren eigenen Lernstil. Und daraus folgt: Was für mich gut ist, muss für dich nicht unbedingt auch gut sein. Eine alte Weisheit, aber wahr...

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