Montag, 6. November 2017

Jane Hart präsentiert die Top Tools 2017

Jedes Jahr wartet man auf das Erscheinen des Horizon Reports und der KIM- oder JIM-Studie, die uns Trends und aktuelle Verwendungsgewohnheiten präsentieren. Das eine visionär, das andere den Ist-Zustand beschreibend. Beide Ressourcen sind nicht nur gerne gelesen, sondern ebenso gerne zitiert. Dabei wird gerade beim Horizon Report oft die US-amerikanische Brille vergessen, die bei der Lektüre aufzusetzen ist. Eine Eins-zu-Eins-Umsetzung in Europa ist weder zu erwarten noch möglich, wie auch ein Rückblick auf die letzten Ausgaben zeigt.

Quelle: Pixabay (CC0)


Und wenn ich auch immer gegen das Primat des Tools und für jenes der Methode schreibe, so erwarte ich dennoch immer auch mit großer Spannung die Top-Tool-Liste, die Jane Hart jedes Jahr kuratiert. Nun ist es wieder soweit. Die Liste und die drei Unterlisten sind veröffentlicht:
  • Top 100 Tools for Personal & Professional Learning (PPL) 2017
  • Top 100 Tools for Workplace Learning (WPL) 2017
  • Top 100 Tools for Education (EDU) 2017
Das Team von Web2-Unterricht (Renée Lechner, Urs Henning, Emil Müller) hat sie genauer betrachtet, die Aufsteiger und Absteiger, die Newcomer genannt. Die Top 10 fallen wenig überraschend aus, wenngleich hier besonders der Wiederaufstieg von PowerPoint zu beachten ist. Twitter hingegen hat es heuer nicht auf das Podest geschafft. Wer also Inspiration sucht oder einfach nur überprüfen möchte, wie mainstream er oder sie, sei die Liste ans Herz gelegt.

Freitag, 3. November 2017

Schule in der digitalen Welt?

Bildung 4.0 - Industrie 4.0 - Schule 4.0: Konzepte und Gedanken, die die Institution Schule charakterisieren sollen. Doch: Halt! Wie lassen sich die Attribute 1.0, 2.0 und 3.0 definieren und was war davor? Gab es irgendwann mal die Schule 0? Und was ist, wenn die Schulen sich nicht auf einem einheitlichen Niveau befinden. Was, wenn die Attribute von vielen nur als Hülsen verwendet werden? Ich mag diese Nummerierungen nicht. Ich mag keine Etiketten und ich mag keine Schubladen. Gerade weil es viele hybride Lösungen gibt, die sich eben nicht einer eindeutigen Lösung (Schublade) zuführen lassen.

Quelle: Pixabay (CC0)

Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten Ich mag Sowohl-als-Auch-Lösungen. Treue Leser/innen meines Blogs wissen das. Axel Krommer hat hierzu erst vor kurzem einen knappen und treffenden Tweet (hier eine ausführlichere Version) verfasst, der seine Ablehnung des digitalen Dualismus zum Ausdruck bringt.

Ich stimme hier zu und stoße mich bereits an der Formulierung des Titels des Bildungskongresses des Landesmedienzentrums (LMZ) Baden-Württemberg, dessen Nachlese dieser Blogpost gewidmet sein soll. Schule in einer digitalen Welt - nun, ich stoße mich am Attribut digital, denn die Welt ist nicht digital. Die Welt ist und bleibt analog. Einzelne Systeme erleben eine Digitalisierung, wenngleich auch hier die Begrifflichkeit nicht klar umrissen ist und viel subjektiv-kasuistische Deutung anzunehmen ist. Die Welt ist nicht digital. Die Schule auch nicht. Auch Bildung kann nicht digital sein. Es gibt digitale Medien und digitale Realisierungsformen von Texten und Daten sowie aus ihnen erwachsenden Informationen. Das Wissen aber ist nicht digital. Das Lernen ist es ebensowenig.

Wann immer das Thema auf die „digitale Bildung“ oder „digitale Schule“ fällt, werden Worthülsen ausgegraben, die zum Buzzword-Bingo einladen. Und ich habe in der letzten Zeit immer stärker das Gefühl, dass wir in einigen Bereichen Dinge schon seit Ewigkeiten fordern und die Realisierungen auf sich warten lassen.



Als Beispiel: Am Bildungskongress berichtet Prof. Stefan Aufenanger in einem erfrischenden Vortrag über Strategien, digitale Medien (besonders Tablets) in den Unterricht zu integrieren. Die Infrastruktur müsse dabei geschaffen werden. Das ist klar. Viel wichtiger aber noch ist es, den Lehrenden (LuL) zu zeigen, wie man mit Tablets umgeht. Was kann man damit machen? Was geht nicht? Aufenanger berichtet von einer Schule, die flächendeckend mit Tablets ausgestattet wurde, an der die Lehrer/innen die Tablets ein Jahr vor den Schüler/innen bekommen haben, um sich an das Lehrmittel zu gewöhnen. Gleichzeitig berichtet er von Fällen, in denen die LuL Tablets in die Hand gedrückt bekommen und dann damit arbeiten/leben müssen. Und wie so oft beginnt eine Diskussion und Reflexion darüber, wie wichtig es ist, Lehr- und Lernziele zu definieren, Methoden zu suchen, mit denen man sie erreichen kann und danach dann die Medien zu wählen. Das wäre ja auch ideal. Oftmals bestimmt aber die Technik die Methodenwahl. Nicht weil die LuL es wollen, sondern weil die Praxis sich nicht immer mit der Theorie trifft.

Und das wurde auch in den Media Spots am Bildungskongress ganz deutlich (hier eine ausführliche Zusammenfassung und Nachbereitung des Bildungskongresses auf der Seite des LMZ). In diesem Format sollten Schulen ihre gelebte Praxis vorstellen, was sie auch taten. Und die Techniklastigkeit zeigte sich deutlich. Da wurde vom Mehrwert des digitalen wie auch des analogen Schulbuches gesprochen, da wurde von ganz spezifischen Lösungen gesprochen. Ja, es handelt sich um Leuchttürme. Aber statt Vielfalt wird Einseitigkeit deutlich. Wenn ich meine Werkzeuge für Fortbildungen auswähle, dann versuche ich immer solche zu wählen, die

  • kostenlos
  • für SuS ohne Anmeldung nutzbar
  • browserbasiert und als App verfügbar
  • und für alle Betriebssysteme anwendbar sind.

Und ich versuche immer, konkrete Methoden zu zeigen und weitere Methoden zumindest zu nennen und zu beschreiben. Wenn ich aus Schulungen 10 neue Werkzeuge mitnehme, am Bildungskongress ist das passende Wort „App-Schlacht“ gefallen, dann muss ich genaue Anwendungsszenarien kennen, um sie auch danach noch zu nutzen. Die Beschreibung hilft mir wenig. Das Wozu muss klar sein, sonst verschwinden sie ebenso wie gut gemeinte Handouts quasi in einer Schublade.



Was ich deshalb gerne mache, ist das Einbinden von QR Codes in meine Präsentationen, hinter denen sich Aktivitäten verstecken. Das Publikum wird nicht nur aktiviert sondern auch zur Mitarbeit animiert. Und an den Reaktionen sehe ich, ob die Methodenbeschreibungen ankommen, die LuL sich vorstellen können, die Methoden auch zu übernehmen. Das ist für mich ein wichtiges Feedback. Und der QR Code ist ein schöner Verrätsler, der die Neugier weckt. Was versteckt sich hinter dem Code? Ein Bild? Ein Video? Eine Übung? Ein Spruch? In Klassen habe ich früher Adventskalender mit QR Codes aufgehängt. Ich würde es auch noch immer tun, wenn ich noch in der Schule wäre. Mir ist nach wie vor wichtig, dass SuS meine Fächer mit etwas Positivem konnotieren. Dann macht das Lernen Spaß. Dann macht das Erfahren Spaß. Mir geht es um das Erleben und Erfahren, das Erfahrungen-Sammeln und das Selbertun. Meine SuS erarbeiten Quizze füreinander, sprechen gegenseitig Diktate und erstellen gemeinsame Skripten, weil ich denke, das so auch das Leben und Berufsleben funktionieren sollte. Wir arbeiten miteinander und füreinander und nicht gegeneinander. Wir teilen unser Wissen und unsere Fähigkeiten. Und wir müssen mit (konstruktiver) Kritik umgehen lernen.

Freitag, 27. Oktober 2017

Warum man sich nicht auf bestimmte Apps versteifen sollte…

Wer sich mit digitalen Medien und educational technology beschäftigt, kann dies auf mindestens drei Arten tun: ausgehend von den Medien, den Methoden oder den Lehr-/Lernzielen. Ich bevorzuge ja den Weg über die Lehr- und Lernziele oder zumindest die Methoden. Es gibt nämlich mehrere Methoden, um ein Lehr- oder Lernziel zu erreichen. Und für jede Methode gibt es unterschiedliche Medien oder Werkzeuge. Die einen eignen sich besser, die anderen schlechter. Denken Sie an einen Hammer und wofür Sie diesen einsetzen können. Was aber, wenn Sie keinen Hammer haben? Dann müssen Sie improvisieren…

Quelle: Pixabay (CC0)

Wenn wir uns auf einzelne Medien oder Werkzeuge versteifen, kann die Enttäuschung relativ rasch relativ groß sein. Nämlich dann, wenn diese ihr Angebot ändern oder gar einstellen. So wie es AudioBoom gerade macht. Dann müssen Alternativen gefunden werden. Wenn Sie also wissen wollen, welche Anwendungen Sie alternativ verwenden können, lesen Sie den folgenden Eintrag.

Es gibt natürlich aber auch Apps, die ihr Angebot kontinuierlich ausbauen und damit auch die Einsatz-Möglichkeiten erhöhen. Das sind mir die liebsten. So beispielsweise Padlet (@padlet), das nicht grundlos als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichnet wird. Nun, ein Alleskönner ist das Werkzeug nicht, aber es gibt zahlreiche Möglichkeiten, es einzusetzen. Ein schönes Beispiel liefert Marie-Hélène Fasquel (@mariehel2) mit ihrer Toolsammlung Our online tools to delve deeper into literature. Auch Richard Byrne (@rmbyrne) hat Padlet den einen oder anderen Beitrag gewidmet, so zum Beispiel 5 Ideas for Using Padlet In School - Suggestions Welcome. Und auch für Vicki Davis (@coolcatteacher) ist Padlet ein "fantastic tool".

Was neu ist an Padlet? Es gibt verschiedene neue Formate, wie das Shelf oder die Canva und dazu einige Templates und Themes, die als Ideenlieferant dienen. Man kann die Posts mittlerweile mit Reactions versehen und unterschiedliche Farben für die Post its, die man am Padlet anheftet, wählen. Und während man synchron arbeitet, aktualisiert das Padlet automatisch dank Focus Mode. Texte und Videos können innerhalb von Padlet konsumiert werden - das ablenkende Verlassen der Padlet-Wand bleibt aus. Man bleibt fokussiert.

Und weil auch ich Padlet sehr gerne nutze, werde ich an einer späteren Stelle einen Blogpost dazu schreiben. Hoffentlich gibt es Padlet noch so lange ;-)

Dienstag, 17. Oktober 2017

Wo ich mir Ideen und Anregungen hole...

Ich probiere ja gerne neue Werkzeuge, Applikationen und Programme aus, um mir dann zu überlegen, welche methodischen Einsatzmöglichkeiten es gibt und welche Lehr- und Lernziele damit angegangen werden können. Das macht mir Spaß und wenn ich Neues finde, dann fühle ich mich ein wenig wie Sherlock Holmes. Also fast jedenfalls. Besonders hilfreich ist es aber, wenn man einen (oder mehrere) Dr. Watson an seiner Seite hat. Also das Helferlein im Hintergrund, das beim Suchen (und Finden) hilft.

Quelle: Pixabay (CC0)

Fünf meiner Favoriten

Twitter

Twitter ist zwar (noch) auf 140 Zeichen beschränkt, aber dennoch eine wahre Schatztruhe in Hinblick auf Tool-Empfehlungen, die Material-Verbreitung und gelebten Konnektivismus. #BayernEdu und die #EduPnx sind nur zwei lebendige Beispiele.

Lehrer-Online

Die Plattform Lehrer-Online (@lehrer_online) stellt jede Woche einen Newsletter zusammen und abgesehen von den jeweiligen Unterrichtsmaterialien, die hier gesammelt werden, sind für mich vor allem auch die Fundstücke der Woche immer sehr interessant. Hier drei relativ aktuelle Beispiele:

Teacher Training Videos

Diese von Russell Stannard (@russell1955) gepflegte Webseite Teacher Training Videos stellt kurze Videos zur Verfügung, die als Tutorials für unterschiedliche Tools gesehen werden können. Russell Stannard verrät dabei nicht nur Tipps und Tricks sondern erklärt die unterschiedlichen Tools auf ganz einfache Art und Weise.

Free Technology for Teachers

Diese von Richard Byrne (@rmbyrne) geführte Seite Free Technology for Teachers ist ein wahres Schmuckkästchen, denn Byrne bespricht aktuelle Tools, gibt Alternativen, nennt Vor- und Nachteile. Das alles auf sehr einfache und leicht verdauliche Art und Weise. Der Fokus liegt dabei auf unterschiedlichen Fächern.

Webinare

Kurze, knappe Webinare, wie die von Jürgen Wagner (@wagjuer) angebotenen Globinare oder die eLectures der Virtuellen Pädagogischen Hochschule (@virtuelleph), sind eine willkommene Abwechslung zur bloßen Lektüre im Netz. Hier kann man sich in einstündigen Veranstaltungen Tipps und Tricks aus der Praxis holen, sowohl als Anfänger/in als auch als Fortgeschrittene/r. Da ist für jede/n was dabei.

Und schließlich: Networking

Tagungen, Konferenzen, Workshops sind Orte, die nicht nur fachlichen Input bringen, sondern auch im Bereich des Networkings besonders wertvoll sind (oder umgekehrt). Die behandelten Themen sind meist vielfältig und bringen Neues ans Tageslicht. Als ganz frisches Beispiel die Pecha Kucha Präsentation von Barbara Geyer-Hayden (@barbarageha) im Zuge der eLearning Experts Conference Anfang Oktober in Eisenstadt: 20 Unterrichtswerkzeuge, die Sie noch nicht kennen




Ich wette, da ist auch für absolute Insider etwas Neues dabei! ;-)

Montag, 16. Oktober 2017

Raising the Bar - meine Nachlese

Am 14. September fand in Wien „Raising the Bar with Apple Technology“, eine Veranstaltung zum Thema „Everyone can code“ statt. Ohne eine Diskussion über das „richtige“ Betriebssystem oder den „richtigen“ Anbieter vom Zaun brechen zu wollen, hier ein paar Gedanken über die Veranstaltung.

Quelle: Pixabay (CC0)

Heterogenität

Auf der Veranstaltung hat sich gezeigt, wie unterschiedlich man an eine Produktpräsentation herangehen kann – sowohl auf Seiten der Vortragenden als auch der Zuhörenden. Wenn man als vortragende Person kein Feuer in sich trägt, dann tut sich auch ein – sicherlich intrinsisch motiviertes – Publikum schwer. Das hat man gemerkt. Einzelne Präsentationen waren erfrischend, einzelne weniger. So funktioniert auch Schule.

Überlegtheit

Ich weiß nicht, ob es das Wort so überhaupt gibt. Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass bei Vorträgen Dinge gesagt werden, die man so nicht meint oder die man, wenn man den Vortrag noch mal hält, anders sagen würde. Ich kenne das ja auch von mir selbst. Aber wenn mir der Vortragende erklärt, dass das Werkzeug die Methode macht, dann – und jetzt auf gut Österreichisch – krieg ich alle Zustände. Ich überlege mir ein Lernziel (oder ein Lehrziel – besser aber, man denkt von den Lernenden aus) und sucht Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Das Medium ist dabei nicht frei zu wählen, das ist schon klar. Es hängt immer davon ab, was man in der Schule so zur Verfügung hat, was man selbst einsetzen kann und möchte. Aber „DAS Digitale“ ist nicht immer DIE erste und/oder beste Lösung, besonders wenn man an die heterogenen Strukturen in einem Klassenzimmer denkt.

Anspruch

Den von Apple benutzten Leitspruch „Raising the bar“ mag ich. Er erinnert an den letzten Neurodidaktik-Workshop, den ich besucht habe, und die darin formulierte Forderung, die Lerner/innen zunächst zu fordern und dann zu fördern. Ganz technikunabhängig stelle ich immer wieder fest, und das ist auch in den Hochschulen ähnlich, dass vielfach „nur“ nivelliert wird. Die weniger Guten werden an den Standard herangeführt, die Mittelklasse da gehalten, für die oberhalb Liegenden gibt es nicht selten wenig Aufmerksamkeit. Denkt man den Unterricht lernendenzentriert und misst man die Leistungen der Schüler/innen nicht am Klassenmittel sondern am jeweils individuellen Fortschritt, verlieren Noten ihre Vergleichbarkeit und die Lehrperson hat mehr Arbeit. Eine derartige individuelle Betreuung würde aber wirklich jede/n einzelne/n ins Zentrum stellen, mit den jeweils individuellen Wünschen, Interessen und Bedürfnissen.

Testing

Die anwesenden Lehrenden waren lange Zeit sehr ruhig und interessiert zuhörend. Als es dann zur Fragemöglichkeit kam, war die erste Frage das „Und wie kann ich das Über- bzw. Abprüfen?“. Eine kurze Diskussion über Multiple Choice-Möglichkeiten und deren Sinnhaftigkeit entbrannte. Ja, auch Multiple Choice kann sinnvoll sein. Ja, auch Multiple Choice hat eine Daseinsberechtigung. Aber von einem lernendenzentrierten Unterricht sind wir da weit entfernt. Wenn die Schüler/innen die Fragen gegenseitig ausarbeiten, dann würden wir uns den Lernenden annähern, das Setting bleibt jedoch ein eher künstliches. Auf einer Metaebene im Sinne des Ansatzes Lernen durch Lehren wären wir aber weiter als das behavioristisch gefärbte Wissensabfragen (wobei es da ja nicht mal um Wissen sondern eher um Gedächtnisleistung geht). Ich verweise noch mal auf Philippe Wampflers (@phwampfler) Beitrag zum Kahoot-Sog.

Everyone can code!

Ja, das hätt ich mir auch nicht gedacht, dass ich nach meiner Visual-Basic-Erfahrung anno 19xx noch mal zum Programmieren (hier mit Swift Playgrounds) komme ;-) Spaß beiseite: Jede/r kann programmieren. Jeder kann analytisch denken. Jeder kann eine Sprache analytisch lernen. Das ist zumindest mein persönliches Fazit, das ich in der nächsten Zeit auch ein wenig ausdehnen möchte. Inzwischen war ja auch die eLearning Experts Conference in Eisenstadt (Blogpost dazu folgt), auf der ich gemeinsam mit meinem Kollegen Gerald Geier (@elgerinio) einen Beitrag zum Thema Fremdsprache und Programmiersprache halten durfte. Meine Überlegungen dazu folgen also in einem ausführlichen Posting. Später ;-)

Fazit

Ich fand die Veranstaltung spannend und inspirierend zugleich. Nicht nur wegen des Austausches mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, sondern auch weil mir mal wieder gezeigt wurde, dass es a) zahlreiche wichtige Initiativen gibt, die sich mit dem Lernen und Lehren aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beschäftigen und es b) nicht auf das Device oder die Firma dahinter ankommt. Egal ob Android oder iOS, wenn ich nicht weiß, was ich mit einem Device anfange, dann kann ich es auch nicht sinnvoll einsetzen. Und egal, welches Gerät ich habe, ich kann meinen methodischen Weg gehen, wahrscheinlich mit ein paar Einschränkungen (je nach Gerät, Version des Betriebssystems oder auch eigener Expertise). Und ja, es gibt auch noch c) den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, der viel stärker forciert gehört. So sehe ich, was andere machen und was anderen (nicht) gelingt. Das tut nicht nur mir selbst gut („Alle kochen nur mit Wasser.“), sondern zeigt auch neue Wege („Geht nicht, gibt’s nicht.“). Und das motiviert – zumindest mich – ungemein.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Alles neu auf Pixabay und Unsplash?

Quelle: Pixabay (CC0)

Ich weiß nicht, wem es schon aufgefallen ist, aber Pixabay und Unsplash bieten ihre Fotos nicht mehr unter einer CC0-Lizenz oder Public Domain an, sondern unter "eigenen Lizenzen". Bei Pixabay heißt diese Pixabay-Lizenz (Beispiel) und meint laut Lizenztext eigentlich CC0; bei Unsplash wird das Wort Creative Commons nicht mehr verwendet (Lizenztext).

Bei Pexels ist weiterhin die CC0-Lizenz im Hintergrund, wie der Lizenztext verrät.

Update


  • Die Änderung bei Pixabay stammt von gestern. Die Admins erklären auch lang und breit im Diskussionsforum, was es bedeutet.
  • Creative Commons hat zur Änderung bei Unsplash Stellung bezogen.

Zusammen ist man weniger allein…

Die Community hat entschieden. Das Thema der Bildungspunks im Juli lautet „Datenschutz, Copyright, Schulserver, TeacherTool & Co.: Arbeiten zwischen gesetzlichen Vorgaben und Schulrealität.“ Jetzt bin ich a) keine Lehrerin an einer Schule und b) keine Freundin von halben Lösungen. Mit meinem Beitrag hab ich deshalb gewartet, war unentschlossen. Ein paar Gedanken möchte ich dennoch loswerden.

Quelle: Pixabay (CC0)

Schon während meines Lehramtsstudiums wurde ich auf Datenschutz und Copyright hingewiesen. Wir hatten da einen – wirklich nur den einen – Lehrenden, der sich schon früh damit beschäftigte und uns für das Thema sensibilisierte, uns zur Vorsicht mahnte. Ich hatte ja auch im Bereich Journalismus eine Ausbildung hinter mir, Urheberrecht, Recht am eigenen Bild und Ähnliches waren mir nicht fremd. Blauäugig, wie viele andere auch, dachte ich aber, dass in Unterricht und Lehre andere Gesetze gelten, dass es hier Ausnahmen gäbe, dass man Materialien zum Zwecke von Unterricht und Lehre einsetzen dürfte, weil es ja um die Bildung geht. Doch weit gefehlt.

Auch lebten die Lehrenden in meinem Umfeld eine spezielle Auslegung von Urheberrecht und Co. Zu meiner Schulzeit wurden noch munter Matrizen (für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, hier ein Beispiel) gezogen, Kopien gab es kaum. Im Studium gab es dafür eine regelrechte Kopieritis. Ich weiß noch, wie ich nach dem Studium die Kopien in einem kathartischen Feuer verbrannt habe. Ich hatte sie seit Jahren nicht angesehen, dachte aber immer, dass ich das eine oder andere sicherlich mal im Unterricht verwenden könnte. Bis ich von Paragraph 42 des österreichischen Urheberrechtsgesetzes gehört hatte. Und von Paragraph 78 UrhG. Meine liebsten zwei Paragraphen (Achtung: Sarkasmus!). Michael Lanzinger hat nicht zuletzt die 42 als Antwort auf alle Fragen ausgegraben (Per Anhalter durch die Galaxie – kennen wir doch oder?). Und manchmal scheint es mir, dass das Urheberrecht wohl wirklich das Recht ist, mit dem ich mich am meisten beschäftige.

Quelle: Pixabay (CC0)

Jedenfalls habe ich alle Materialien im Lehramtsstudium selbst erstellt und dabei peinlichst genau auf das Urheberrecht geachtet. Fehler sind natürlich dennoch zahlreiche passiert, viele der Materialien würde ich heute nicht mehr einsetzen. Und dabei hatte ich immer das Gefühl, alles alleine machen zu müssen. Kolleginnen und Kollegen wollten ihre Materialien – aus unterschiedlichen Gründen – nicht teilen. So musste ich immer alles selbst nachbasteln, zusammenstellen und ärgerte mich darüber sehr. Von der OER-Bewegung hatte ich damals noch nichts gehört. Umso dankbarer bin ich, Teil dieser Bewegung zu sein. Ich erstelle nach wie vor viele Materialien selbst, habe aber kein Problem damit, sie anderen weiterzugeben. Vielmehr freue ich mich über Feedback. Vier Augen sehen mehr als zwei. 40 Augen noch viel mehr – wer bekommt sonst eine kostenfreie Qualitätskontrolle in dem Ausmaß? Ich remixe aber auch gerne Materialien und gebe anderen Feedback. Es ist das Geben und Nehmen in der Community, das mich den Lehr- und Unterrichtsalltag meistern lässt. Auch wenn ich selbst erstelle, so weiß ich auch, wo ich gute Materialien finde.

Dazu kommen dann auch noch Facebook und Twitter als Infokanäle für mich. Klar, es handelt sich um ein Social Network und einen Microblog. Für mich sind die beiden aber das größte Kollegium und die größte Material- und Ressourcenbörse überhaupt. Wenn ich was suche, suche ich dort. Oder ich frage in Gruppen oder über Hashtags wie #OER#EduPnx oder #BayernEdu nach. So habe ich immer neue Ideen. Für Materialien oder auch Tools.

Und seit es die neue OER Suchmaschine, (für Android und iOS) die OER Licence-App der TU Graz und Tutory.de gibt, geht das OER-Produzieren auch ganz schnell. Und einfach. Es ist einfach komfortabel.