Freitag, 20. Januar 2017

Frontalunterricht vs. Offener Unterricht: Muss ich mich entscheiden?

Wer sich jetzt eine Aufzählung der Stärken und Schwächen beider Formen des Unterrichts erwartet, wird enttäuscht. Ich nutze vielmehr einen kurzen Post, um ein paar Gedanken loszuwerden, die mir beim Durchlesen des Beitrags Grazer Uni-Professorin: „Schlechter Frontalunterricht ist mir immer noch lieber als schlechter Offener Unterricht“ gekommen sind.

Ich möchte vorausschicken, dass ich dem Artikel ja grundsätzlich zustimme, das Interview nicht kenne und der knackige Titel auch bei mir dafür gesorgt hat, dass ich den Beitrag lese. Jetzt bin ich natürlich auch keine Expertin im Primarstufenunterricht, aber ich sehe in der Lehramtsausbildung der Sekundarstufe doch auch immer wieder, dass die (zukünftigen) Lehrenden immer wieder straucheln, wenn es um die Konzeption von Unterrichtseinheiten geht, weil ihnen gesagt wurde, Frontalunterricht sei quasi verboten und man müsse offene und individualisierte Formen bevorzugen. Nun, es mag schon stimmen, dass Frontalunterricht seine Schwächen hat, aber das hat offener Unterricht, wie auch oben genannter Artikel verdeutlicht, auch.

Quelle: Pixabay (CC0)
Die Ausschließlichkeit macht, meiner Meinung nach, den Unterschied aus. Oder eben die Mischung. Guter Unterricht - und ich werde sicherlich auch irgendwann dazu kommen, für mich hier zu definieren, was ich unter "gutem" Unterricht verstehe (siehe #EDchatDE Nr. 155) - ja, guter Unterricht besteht aus Phasen der Instruktion und der Konstruktion. Diese sollen einander abwechseln, Hand in Hand gehen und einem klaren Konzept folgen. Beides eignet sich nicht als Stand-Alone-Lösung, beides bedarf des anderen.


Und so sind auch Drill & Practice-Übungen nach Vorbild Skinners manchmal, unter bestimmten Umständen, in einem definierten Setting gut. Pauschalverurteilungen und -meinungen bringen nichts, sie bringen uns vor allem nicht weiter.

Die Kunst, guten und effektiven oder sogar effizienten Unterricht zu gestalten oder ermöglichen, liegt darin, einen abwechslungsreichen Unterricht zu konzipieren, der für unterschiedliche Lernende ("Multiple Intelligences") unterschiedliche Materialien ("Binnendifferenzierung" oder "Individualisierung") anbietet, die Lernenden ins Zentrum rückt, ihnen die Möglichkeit des Austauschs, der Kollaboration, Kommunikation und Interaktion gibt, und gleichzeitig auch Phasen der Immersion durch Instruktion schafft ("Sandwich-Methode"). Dabei soll der Unterricht weder über- noch unterfordern. Manchmal ein echter Balanceakt...

Quelle: Pixabay (CC0)
Manchmal, ja manchmal, da möchte man einfach nur "berieselt" werden, möchte in ein Thema eintauchen, vielleicht auch eingetaucht werden. Oder vielleicht denke nur ich so - ich habe Vorlesungen und Seminare an der Universität, wenn sie abwechselnd am Plan standen, durchaus genossen. Manchmal, gerade bei guten, ansprechenden Vortragenden, wollte ich einfach nur zuhören, manchmal, bei spannenden Themen und Arbeitsaufträgen wollte ich einfach nur mit der Arbeit loslegen... Die Mischung und das didaktische Konzept machen den Unterschied.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Lernen in einer Welt voll Ablenkungen?

Seien wir ehrlich: Unser Alltag hat sich in den letzten Jahren verändert. Auf den unterschiedlichen Social Media-Kanälen lesen wir davon, dass wir in einer anderen Generation aufgewachsen sind, viel draußen gespielt haben und unser Leben ohne Smartphone und Internet, dafür mit einem Vierteltelefon, das immer besetzt war, und der Möglichkeit, bei seinen Freundinnen und Freunden und Verwandten jederzeit vorbeizuschauen. Manchmal eben ohne Erfolg.

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Gleiches trifft wohl auf das Lernen zu. Es ist anders, muss anders sein. Wir können theoretisch immer und überall lernen, aus bzw. mit unterschiedlichen Quellen. Wir können nachschlagen, wenn wir etwas nicht wissen. Wir finden immer und überall Unterhaltung. Und gleichzeitig lenkt uns das vom Lernen ab. Also vom vorgegebenen (formalen) Lernen. Sir Ken Robinson zeigt in einem seiner zahlreichen Talks sehr deutlich, wie sich das Schulsystem jedoch eben nicht verändert hat.

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Er bereitet den Inhalt beinahe populärwissenschaftlich auf, polarisiert sicherlich. Dennoch steckt ein Fünkchen Wahrheit dahinter. Wir trainieren auf standardisierte Tests, die Kreativität geht dabei oft verloren, oder wird zumindest in den Hintergrund gedrängt. Uns wird vorgegaukelt, es gäbe nur eine richtige Lösung. Entweder-Oder, Schwarz-Weiß, Richtig-Falsch. Doch was liegt dazwischen? Wie viele Wege gibt es, sich einer Frage oder Problemstellung anzunähern? Ersticken wir im Unterricht wirklich die Kreativität, wie Sir Ken Robinson sagt?

Bis zum einem gewissen Grad sicherlich schon. Und gleichzeitig werden wir über unsere Art und Weise, uns zu informieren, in eine Filterblase gesteckt. Wir scrollen durch Social Media-Kanäle, lesen oftmals nur die Headlines, entscheiden vielleicht aufgrund der Länge eines Beitrags darüber, ihn zu lesen oder nicht. Und dabei werden wir leicht abgelenkt ("Learning in The Age of Digital Distraction"). Formales Lernen trifft auf informelles Lernen. Lernen kann generell immer und überall passieren.

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Die Quellen, die wir durchscrollen, ansehen oder auch lesen, werden durch unterschiedliche Algorithmen in unsere Timelines gespielt. Wir haben das Gefühl, sie selbst auszusuchen, dabei fallen wir einer Vorauswahl zum "Opfer", die Vielfalt geht verloren.

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Und wir sind uns dessen vielleicht gar nicht bewusst. Sollten wir aber. Und wir sollten uns darüber unterhalten. Wir sollten als Lehrpersonen gezielt darauf hinweisen. Aber eigentlich mussten wir das schon immer. Medien sind nicht immer objektiv, maximal objektiviert. Egal ob Printmedien, hinter denen Verlage, Parteien oder andere Einrichtungen stehen, oder Fernsehsender, die einer größeren Medienfirma angehören, oder auch das Internet. Immer schon mussten wir Medien, ihre Beiträge und Quellen bewerten. Die Vielfalt war kleiner, die Zugänglichkeit ebenfalls. In einem Haushalt gab es eine Tageszeitung und nicht unendlich viele, wie heute. Es gab einige wenige Fernseh- und Radiosender. Und es gab wenige Presseagenturen, die die Inhalte, die Bilder und Texte, lieferten. Dessen waren wir uns vielfach nicht bewusst. Wir wurden aber schon damals „manipuliert“.

Heute werden wir darauf hingewiesen. Und es ist auch nötig. Weil es viel mehr Möglichkeiten der Manipulation von Materialien, wie Bildern, gibt, die viel mehr Menschen (und nicht mehr nur einigen wenigen Spezialistinnen und Spezialisten) zugänglich sind. Weil wir eben nicht hinterfragen, nicht kritisch genug sind, uns nicht die Zeit nehmen, etwas in die Tiefe zu lesen. Je reißerischer, desto eher erhält man die Aufmerksamkeit. Man denke hier an die Überschriften der Huffington Post (und eine knappe Analyse dazu und eine zweite ausführliche, die dem Phänomen auf den Grund geht). Oder aber an Satirezeitschriften, die sich doch großer Beliebtheit erfreuen (ob sie von allen als solche erkannt werden, kann ich nicht sagen). 
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Wir brauchen die notwendigen Kompetenzen, um Relevantes von Irrelevantem zu trennen, um Quellen nach wahr und falsch zu bewerten, um unser Leben zwischen dem Virtuellen und dem Realen zu organisieren. Und das sind nicht unbedingt digitale Kompetenzen (wie definiert sich hier denn übrigens "digital"?)... 

In diese Kerbe schlägt auch Gerhard Brandhofer (@rationalekritik) in einem Interview, das gestern in der österreichischen Tageszeitung Der Standard erschienen ist. Er hat Recht. Das hatte auch Bob Blume (@blume_bob) in seinem Blogbeitrag Kleine Kritik am digitalen Diskurs.Wenn von den 4Cs (Critical Thinking and Problem Solving, Collaboration, Communication und Creativity) die Rede ist, dann sind das zwar die sogenannten 21st century skills, oftmals auch als digital literacy bezeichnet oder zumindest in ihrem Umfeld erwähnt, doch sind es Kompetenzen, die wir auch im 20th und im 19th century benötigt haben. Vielleicht war es damals selbstverständlich…. Vielleicht hat man auch nur nicht darüber gesprochen… Und als letzten Gedankenanstoß ein Tweet von A.R. Krommer (@mediendidaktik_):

Dienstag, 17. Januar 2017

Von Windmühlen, Sirenen und Eisbergen...

Social Media-Kanäle sind doch was Feines. Sie bieten Information, Unterhaltung und Abwechslung. Und gleichzeitig sind sie doch auch ganz böse, den sie liefern Information, Unterhaltung und Abwechslung. Wie jetzt?!? Angeregt durch einen einfachen Tweet und eine längere gebloggte Antwort ein paar Zeilen über das Lehrerdasein in einer "digitalen" Welt.


Nun, wir leben in einer Filterblase, in der Nachrichten für uns vorsortiert werden. Wir folgen bestimmten Menschen, die wir uns aussuchen. Und jenen, die die Social-Media-Kanäle für uns aussuchen.

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In Listen, Gruppen oder Kreisen können wir für uns eine eigene Auswahl treffen. Um aus dem ausgefilterten zu filtern, brauchen wir Kompetenzen. Die 4Cs (Critical Thinking and Problem Solving, Comunication, Collaboration und Creativity) zum Beispiel. Oder auch andere. Wir müssen lernen, relevante von irrelevanten Nachrichten zu unterscheiden. Ebenso die wahren von den falschen. Fake News, Lügenpresse… Alles Schlagworte der letzten Zeit, die Teil unserer Lebensrealität geworden sind. Wem können wir glauben, wenn wir nicht mal mehr sicher sein können, dass die Nachrichten, die wir lesen, auch wirklich von Menschen und nicht von sogenannten Bots geschrieben sind. Denkt mal an de Blahfaselgenerator (aktualisiert einfach euren Bildschirm). Ich finde, er ist nach wie vor ein gutes Beispiel für leere Worthülsen, die sich in so mancher populärwissenschaftlichen Publikation finden. Digitale Demenz als Schlagwort…

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Und Lehrpersonen müssen sogar noch einen Schritt weiter gehen. Sie müssen sich zusätzlich die Kompetenz aneignen, derartige Kompetenzen zu vermitteln. Sie müssen Settings schaffen, um Medienkompetenzen zu schulen und zu stärken, zu entwickeln und zu fördern. Dafür müssen sie sich diese Kompetenzen aber selbst aneignen. Und vieles kann man sich dabei nicht einfach anlesen. Eine gewisse didaktische Kompetenz liegt in unserem Genpool - oder eben nicht, wie Sir Ken Robinson richtig zeigt.

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Sir Ken Robinson stellt das Schulsystem infrage, dem sicherlich einige Reformen nicht schaden würde. Nicht selten stellen sich aber vor allem die Lehrer/innen infrage. Wir stellen uns und unsere Fähigkeiten in Frage. Wir stellen vielleicht sogar die Sinnhaftigkeit unseres Tuns infrage oder auch uns als Persönlichkeiten. Lehrer/innen haben es doch leicht. Sie nehmen das Schulbuch, schlagen es dort auf, wo sie es in der letzten Stunde geschlossen haben, überlegen sich – der bekannten Schwellenpädagogik folgend – beim Eintritt in die Klasse, wie die folgende Stunde verlaufen wird. Frontalunterricht oder Stillarbeit inklusive. Oder? Nicht?!? Vielleicht schnappen sie auch ihr iPad und lesen von diesem die Unterrichtsinhalte vor. Auf Twitter habe ich dazu gerade eine spannende Diskussion gelesen. Ausgelöst von einem kurzen Tweet, keine 140 Zeichen, von Lisa Rosa (@lisarosa).

Ja, solche Lehrer/innen mag es geben. Das kann man nicht leugnen, das kann man nicht schön schreiben. Aber es gibt auch schief schneidende Friseure und Bücher hassende Bibliothekare.

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Gegen diese Windmühlen oder gar nur ihr Abbild kämpfen sie dann, die Einzelkämpfer/innen. Die Enthusiasten und Enthusiastinnen, die das Gute und Innovative sehen. Die sich für die Schüler/innen interessieren, denen die Sache am Herzen liegt. Wie Don Quijote kämpfen sie gegen Chimären an. Oder auch Sirenen. Dann wären sie aber Odysseus. Und so mancher Weg gleicht wohl wirklich einer Odyssee. Sie leisten viel, doch fehlt die Anerkennung. Beispiele gefällig?


  • Das Team hinter dem #EDchatDE steckt viel Freizeit und Leidenschaft in die Sache und wird dennoch immer öfter durch Trolle angegriffen. Sie nörgeln, sie provozieren und liefern wenig Konstruktives. Sie sind jedenfalls Realität.
  • Ein einzelner organisiert seit Jahren Webinare, mittlerweile Globinare, an denen Interessierte aus der ganzen Welt teilnehmen. Jede Woche, mehrfach. Und dazu kommt nach jedem Webinar ein nachbereitendes Mail mit allen Materialien und der Webinar-Aufzeichnung. Und dazu kommt auch ein für Fremdsprachenlehrende beinahe unverzichtbarer Newsletter. Danke, Jürgen, für deinen Einsatz und die Zeit, die du in uns steckst.
  • Und dann gibt es all jene, die sich dagegen aussprechen, dass immer nur über Tools gesprochen wird. Und nicht über die Methoden und die Lernziele. Wohin will ich? Was sollen meine Schüler/innen können? Was sollen sie wissen? Was sollen sie aus dem Unterricht mitnehmen? Diese Fragen entscheiden über die Wahl der Methode und diese wiederum beeinflusst die Wahl des Werkzeugs. Ob analog oder digital. Ob klassisch oder ausgeflippt. Das Lernziel legitimiert die Methode legitimiert den Werkzeugeinsatz. Und nicht umgekehrt. Danke, Thomas, für deine Inspiration in diesem Feld, die du mir von Anfang an hast zukommen lassen. Thanks, Alastair, for your incredibly critical and inspiring thoughts.
  • Und dann gibt es noch diejenigen, die mit scheinbar lustigen Sprachspielen die Welt ausdrücken. Aphorismen, von La Bruyère, La Rochefoucauld, Nietzsche bis hin zu Bob Blume, beleuchten die Welt kritisch, hinterfragen das System, stellen es infrage, rütteln und wecken auf. Und vielfach werden sie dafür eher gescholten, wenig verstanden, infrage gestellt. Und dennoch lassen sie in uns einen Funken, der uns die Augen öffnet, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen.

Einige zerreiben sich am System, einige reiben sich auf, bleiben aber dennoch. Viele sind Lehrer/innen oder waren es, die immer noch an eine Sache glauben. Und am wichtigsten ist es wohl, an wirklich eine Sache zu glauben: sich selbst. In all der Geschäftigkeit der Zeit vergessen wir nicht selten auf uns. Wir netzwerken, setzen im Sinne des Konnektivismus Knotenpunkte, vernetzen uns zunehmend. Nur eines sollten wir dabei nicht vergessen: Uns selbst. Und manchmal braucht man ein Netzwerk, das uns zurückholt, uns auffängt und uns daran erinnert, was wir wert sind und was wir leisten.

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Ich lege hier mein Netzwerk, das Netz, das mich auffängt, nicht namentlich offen. Es fühlt sich auch so angesprochen. Es sind eine Hand voll Freunde (sowohl in den sozialen Netzwerken, in denen ich aktiv bin, als auch im realen Leben), die sich dafür die Zeit nehmen. Sie sind es, die uns und vor allem mir die Kraft und Energie geben, gegen die Windmühlen zu kämpfen, die Eisberge zu umschiffen, mit gutem Beispiel voranzugehen, neue Wege zu gehen und weiterzumachen. Sie holen mich aber auch immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn ich den Sirenen zu erliegen drohe. Und es sind auch die Schüler/innen und Studierenden, die einem so viel zurückgegeben und von denen wir so viel lernen (können).

Montag, 2. Januar 2017

Zum Einstieg ins Jahr 2017

Der Jahreswechsel wird immer wieder für einen Rückblick oder auch einen Ausblick genutzt, was ja irgendwie auch auf der Hand liegt. Man fasst zusammen, was man im Jahr so gemacht hat oder man überlegt sich (analog zu den meist persönlich formulierten Silvester-Vorsätzen), wohin man gehen möchte. So finden sich in den Timelines unterschiedlicher Social Media-Werkzeuge zurzeit Vorsatz-Generatoren (wie wäre es mit dem Vorsatz-o-Mat?), mit deren Hilfe man seine Neujahrsvorsätze formulieren kann (nicht immer ganz ernst gemeint) oder auch resümierende Artikel jener Menschen, denen man folgt. Die mir besonders häufig untergekommenen, möchte ich hier zusammenfassen.

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Richard Byrne: Practical Ed Tech Handbook - Best of 2016

Richard Byrne beschreibt in seinem Practical Ed Tech Handbook - Best of 2016 nicht nur Unterrichtsszenarien und Projekte, sondern fasst sein Jahr auf kompakte Weise zusammen. Und damit gibt er uns auch einen Blick auf das frei, was im letzten Jahr gezählt hat. Das Erlernen von Suchstrategien fällt hier hinein, der Flipped Classroom als Unterrichtsszenario ebenso. Dabei schafft er eine gute Zusammenschau von hilfreichen Werkzeugen und spannenden Methoden.

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Educational Technology and Mobile Learning

Die Seite Educational Technology and Mobile Learning liefert während des gesamten Jahres Artikel, die nicht nur für Einsteiger/innen, sondern auch für „alte Hasen“ sehr interessant sein können. Knapp vor Silvester Bloom's Digital Taxonomy for The Web, ein Beitrag, in dem sich die Autorinnen und Autoren mit den verschiedenen Stufen der Bloom’schen Taxonomie beschäftigen und Webtools anfügen, mit deren Hilfe diese Stufen erreicht werden können. Am selben Tag erschien mit 9 fundamental digital skills for 21st century teachers eine Infografik, die denselben Zweck verfolgte. Die genannten Kernkompetenzen wurden aufgelistet und jeweils vier Webtools genannt, die helfen, diese Skills in die Realität umzusetzen. Die beiden Artikel überschneiden sich teilweise, liefern aber dennoch eine nette Auswahl an hilfreichen Tools und Werkzeugen. Heute kam ein weiterer Artikel heraus, in dem die Redaktion eine Lektüre-Empfehlung abgibt: 6 great books on Digital Literacies. Die Auswahl liest sich spannend, ob sie hält, was sie verspricht, kann jedoch erst nach der Lektüre gesagt werden.

photo credit: Pixabay (CC0)

Andrew Churches: Educational Origami

Schon etwa in die Jahre gekommen, aber dennoch kompakte Zusammenschau der digital literarcies of the 21st century liefert 21st Century Pedagogy, ein Wiki-Artikel von Andrew Churches. Der Autor fasst in diesem Beitrag verschiedene Elemente aus der, wie er es nennt, 21st Century Pedagogy zusammen, meint damit Kompetenzen ebenso wie didaktische Szenarien. Besonders herauszuheben ist dabei seien Unterscheidung zwischen literacy und fluency, wobei sich die beiden Begriffe durch den Faktor bewusst vs. unbewusst unterscheiden. Eine Herangehensweise, die mir gefällt...

photo credit: Pixabay (CC0)

Bleibt mir noch, allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein gutes neues Jahr zu wünschen. Und ja, mein Vorsatz ist es natürlich, hier wieder regelmäßig Beiträge zu schreiben. Ich hoffe, ich halte durch ;-)

Donnerstag, 24. November 2016

Bild- und Urheberrecht: eine Nachlese

Urheberrecht und Bildrecht – zwei Rechte und Pflichten, zwei Bereiche, die in der Lehre, im Unterricht und in der Forschung eine zentrale Rolle spielen. Aber nicht nur dort. Sie betreffen unser alltägliches Leben. Wir posten in sozialen Netzwerken, wir laden hoch, wir laden runter. Aber dürfen wir das eigentlich? Was ist erlaubt? Was ist verboten?
Quelle: Pixabay (CC0)

Diese Fragen quälen mich seit geraumer Zeit. Obwohl, quälen ist ja eigentlich gar nicht das richtige Wort. Eigentlich beschäftige ich mich mit diesen Themen einfach nur regelmäßig, weil sie wichtig sind, weil ich ihnen immer wieder begegne. Und so habe ich mich über eine Veranstaltung an der Universität Graz besonders gefreut. Das Open Access-Team der UB Graz hat vorige Woche zu einem dreistündigen Workshop geladen. Zwei Impulsvorträge sollten uns in die Thematik einführen, einer zu Urheberrecht, ein zweiter zu Bildrechten. Für beide konnte man vorab Fragen bekannt geben, aus der eigenen Praxis. Das klingt ja vielversprechend, schließlich ergeben sich Fragen ja hauptsächlich dann, wenn man arbeitet.

Nun war der erste Vortag etwas – sagen wir – mühsam. Der Vortragende kam von einer Verwertungsgesellschaft und riet den Anwesenden – aus nachvollziehbaren Gründen, von der Veröffentlichung unserer Materialien unter CC-Lizenz ab. Nachvollziehbar aus Sicht der Verwertungsgesellschaft, nicht aber einer Open Access-Bewegung.

Und vor allem verwendete er den Begriff OER dafür. Nun, das war schade, denn Lehre und Wissenschaft, Unterricht und eine Betrachtung auf Metaebene, diese Bereiche sollte man nicht mischen. Auch das Urheberrecht (§42 in Ö) trennt zwischen diesen beiden Bereichen. Und aus Sicht der Lehrenden sind OER sinnvoll. Sie erleichtern unser Leben, wenngleich sie, wenn wir OER selbst erstellen wollen, auch einen zeitlichen Mehraufwand bedeuten (vielleicht). Aber einiges war auch wichtig, wie beispielsweise der Hinweis, dass Bilder eine Funktion haben müssen, aber mehr als nur eine Belegfunktion:


Tipps und Tricks hätten nicht geschadet, wie beispielsweise die Umgekehrte Suche auf Google, um Bildquellen zu finden. Spannend aber der Hinweis zur Panoramafreiheit:

Der zweite Vortragende kam ebenfalls von einer Verwertungsgesellschaft, war aber viel näher an der Realität. Er brachte Beispiele aus dem Leben (Stichwort: Selfies) und wog unterschiedliche Perspektiven ab. Und auch von ihm kam der Hinweis zur Illustration und den Zitaten:

Er betonte – und das ist immer wieder wichtig – die Rolle des Rechts am eigenen Bild (§78 in Ö). Wir dürfen nun mal keine Fotos unserer Kinder posten, oder von anderen Menschen, es sei denn, wir haben ihr Einverständnis. In Deutschland schriftlich, in Österreich reicht mündlich. Und hier sollten wir uns alle mal bei der Nase nehmen.

Freitag, 5. August 2016

Beitrag zum Blogstöckchen: Lehr-/ Lernraumbilder

Timo van Treeck (@timovt) lädt zur Blogparade ein, da kann ich nicht ablehnen. Es geht um Lehr-/ Lernraumbilder, um Orte, an denen wir gerne lehren und lernen. Nun, passend dazu hat die Uni Graz gerade einen Beitrag im Blog veröffentlicht, der alternative Lernorte zur Universitätsbibliothek nennt, die gerade umgebaut wird. Nun, ich persönlich fand ja den Lesesaal der Bibliothek immer sehr imposant, habe dort auch gelernt (aber nur wegen des Ambientes). Ich bevorzuge Plätze mit Steckdosen, wo ich ungestört lernen kann – am Campus also nur schwer möglich. Wenn also, dann im Freien (auf einer Bank, im Park, in benachbarten Cafés). Aber so richtig gelernt habe ich immer nur zuhause.

Graz University-Library reading-room
By Dr. Marcus Gossler (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Hier der Link auf den Blogpost und einen eingebetteten Post (wo auch Bilder vorhanden sind).

Mein bevorzugter Lehrraum hingegen ist sehr einfach gehalten: Es gibt Tische, die sich verschieben lassen, jede Menge Steckdosen, WLAN und einen Computer mit Beamer bzw. die Möglichkeit, einen Computer mit Beamer zu borgen. Hauptsache alles ist flexibel. Der Rest passiert über BYOD. Ich Vorbereitung auf die Lehre erfolgt zuhause (#flippedclassroom), die Diskussion oder das Üben im Klassenzimmer. Sehr diskursiv, sehr interaktiv. Und dafür reichen mitunter auch die Wiesenflächen am Campus der Universität Graz (wenn die Devices geladen ist ;-) und das Wetter passt).

CC0 (Pixabay)
Lernen geschieht für mich überall dort, wo es motivational ansprechend ist, wo man sich also wohlfühlt, wo man gerne ist. Dort ist für mich auch der ideale Ort zum Lehren, wenngleich das Lehren definiert werden muss. In meiner Rolle als Lernbegleiterin oder als Lehrende. Ich nutze unterschiedliche Medien und Räume, abwechslungsreiche Methoden und Sozialformen und nehme dabei unterschiedliche Rollen ein. Denn was mir wirklich wichtig ist, ist der Spaß an der Materie (in meinem Fall: der Spaß an der Sprache) und die Motivation, die zum Auslösen eines und vor allem Aufrechterhalten des Lernprozesses einfach unverzichtbar ist.

Meine Nominierungen:

  • Alicia Bankhofer (weil sie, glaub ich, viel zu Lernräumen sagen kann)
  • Urs Henning (weil ich seine reflektierte Art so schätze)
  • Herr B. (weil ich von ihm einen "anderen" Blick erwarte - ganz positiv gemeint) :-)

Montag, 4. Juli 2016

Alt aber gut (oder auch nicht)

Nun, da ich ja länger nichts gepostet hatte, konnten sich so einige Links ansammeln, die ich in Blogposts verpacken wollte, aber nie so richtig wusste, wie in welcher Form und zu welchem Thema genau. Gut, das Thema ist irgendwie klar, aber dennoch fand ich nie den richtigen Anlassfall. Heute war ich auf der Suche nach einem bestimmten Artikel und durchforstete meine „Diese-Links-lese-ich-später“-Ablage und fand dabei so einiges (nur nicht den gesuchten Artikel, aber egal). Was ich dabei wirklich erstaunlich finde, ist die Tatsache, wie wenig sich getan hat und wie aktuell die Artikel eigentlich heute noch sind. Vielleicht sind sie auch nur spannend und kontrovers. Aber sie hatten es verdient, abgelegt zu werden (zur späteren Lektüre).

Aber schauen wir uns die Links mal an.

Wer erinnert sich noch an das Video von Veritasium, in dem von den unterschiedlichen vermeintlichen/ potentiellen/ erhofften Leitmedienwechseln gesprochen wird?



Quelle: YouTube

Was nicht alles unsere Bildung revolutionieren wird. Das Radio, der Fernseher, das Internet. Oder vielleicht auch die Tabletklasse (man lese hierzu - kritisch - Axel Krommers Über Eindrücke von Tabletklassen)? Vielleicht ist es ja das Schaffen einer guten Infrastruktur, die die Basis für alles ist? Oder ist es einfach unser Denken, das auch die öffentliche Wahrnehmung steuert? Vielleicht ist es eher das Zulassen, dass Lerner/innen aktiv interagieren und dass der Unterricht lernendenzentriert sein sollte? Wir sollten von den Lernerinnen und Lernern aus denken. Und nicht aus der Sicht der Technik, die Markus Deimann richtigerweise als beengend, im letzten Blogbeitrag schrieb ich von "Reduktion", beschreibt in seinem Beitrag Digitale Didaktik: Gefangen im Korsett der Technik?. Und auch Beat Döbeli Honeggers Beitrag auf Google+ (und noch viel stärker die Diskussion, die er ausgelöst hat) schlägt in dieselbe Kerbe.

Und übrigens: Ist Unterricht nicht auch ein furchtbares Wort, dass mit einer Oben-Unten-Metaphorik spielt?

Quelle: YouTube

Schüler/innen sind keine Objekte, die ich UNTERrichte. Sie sind Subjekte und sollen eigene Erfahrungen machen (dürfen), aus denen sie lernen. [Man lese hierzu auch Peter Addors Beitrag Kompetenzbasiertes-vs-dozentenbasiertes-Schulmodell.] Und das beginnt schon in der Kindheit (wider die zurzeit so beliebten Helikoptereltern). Ist die Schule der Ort, wo Kinder zu lernen beginnen? Wieso neigen Erwachsene, frisch eingeschulte Kinder mit "Oh, du gehst schon in die Schule? Du Arme/r?" zu empfangen? Martin Lindner hat ein paar scharfsinnige (freilich nicht ohne Subtext zu lesende) Gedanken zum Thema Schule geäußert - die angeschlossene Diskussion ist ebenfalls eine Lektüre wert.

Sind MOOCs die Lösung (MOOCs ohne Grenzen: Adaptivität und Flexibilität als neue Gütekriterien ein spannender Text von Jürgen Handke)? Oder adaptive oder pervasive Lernsysteme? Sind wir am Ende der Kreidezeit angekommen? (Lesen hierzu jedenfalls Alex Krommers Antwort - und wer den Blahfasel-Generator nicht kennt: Voilà.) Probt die Schule den digitalen Hochsprung? Wie ist das Verhältnis von Digitalisierung und Schule? Muss sich das System anpassen (Anja C. Wagner sei für die reflektierten Worte gedankt)? Gibt es gar keine digitale Gesellschaft (die Diskussion auf Google+ sollte wieder mitgelesen werden)? Sind Stift und Papier unzeitgemäße Lernwerkzeuge? Wollen Unis zurück ins analoge Zeitalter? Wenn Smartphones und Tablets aber gar nichts bringen, ist es dann sinnvoll, sie ganz zu verbieten? Schließlich erhöht das ja den Lernerfolg? (Das Fragezeichen ist bewusst (!) gewählt.) Und sie könnten ja die Lehrenden ersetzen, oder nicht? Vielleicht sollte es zurück zur Schreibmaschine gehen? Da schreibt man Dinge  mehrfach, wenn man sich vertippt. Und da lernt man doch sicherlich so richtig viel, oder? Toolification ist doch sicher der richtige Weg, wenn es die Hardware schon nicht ist, oder?


Quelle: YouTube

Vielleicht hat ja aber auch Ralf Lankau die Antwort und wir befinden uns unter dem Joch der Digitalisten? Hat Sir Ken Robinson am Ende Recht mit seiner Feststellung der Changing Education Paradigms?


Quelle: YouTube

Wir neigen doch dazu, Menschen zu klassifizieren (träge/aktiv; fähig/unfähig; reif/unreif); und sie auf eine Rolle oder Funktion zu - ich wiederhole mich - reduzieren. Werden wir in zehn Jahren wirklich anders lernen? Ist es die Angst vor Veränderung, die unser Leben und Denken bestimmt? Müssen wir von einer digitalen Revolution (was ist das noch gleich?!?) oder gar vor Social Media Angst haben? Wenn wir uns die Diskussion um den Tweet von @nainablabla und die Reaktionen (beispielhaft), die gefolgt sind, ansieht, dann möchte man die Frage ja beinahe bejahen. Sollten wir auf den Boden der Realität zurückkehren (man lese hierzu die Diskussion zu Axel Krommers Ausgangspost)? Müssen wir unsere Lerner/innen dort abholen, wo sie (nicht  mehr) sind? Vielleicht brauchen wir neue Modelle? Oder auch nur eine (Danke Martin Linder für diesen Vorschlag):

"#checkliste gut, mit der man ganz schnell den wert von reformerischen bildungsinitiativen bestimmen könnte".

Vielleicht haben Sie bei so manchen Text auch ein "No-na"-Erlebnis gehabt? Mir ging's jedenfalls so. Ebenso wie bei Martin Lindners Humboldt, Orwell und die Digitale Bildung. Oder mit dem kurzen Blogpost 7 Ways Technology Can Transform Learning (INFOGRAPHIC) und Tobias Raues Kommentar zum wiederkehrenden Argumentationsstrukturen. Aufschlussreich und jedenfalls mehr als einen Blick und Gedanken Wert sind die 3 Ebenen der Digitalisierung (wessen?!) (hier die Matrix).

Jetzt können Sie mir gerne vorwerfen, dass ich hier nur Fragen stelle, keine Antworten liefere. Wissen Sie was? Ich habe keine Antworten. Wahrscheinlich habe ich deswegen diese Beiträge auch immer wieder nach hinten verschoben, weil es keine Antworten gibt? Es darf kein Entweder-Oder geben. Es gibt nur ein Sowohl-als-auch. Zumindest ist das mein Ansatz. Und ich denke, wichtig wäre es, auch mal unsere Schüler/innen und Lerner/innen zu befragen.  Oder auch eine Außensicht auf die Thematik einzunehmen, sie vielleicht retrospektiv zu betrachten, wie Jöran Muuß-Merholz es in Neun Thesen zum lebensbegleitend lernenden Menschen getan hat. Vielleicht sollten wir auch einfach tun. Und jene Medien und Methoden verwenden, die uns am besten ans Lehr- und unsere Lerner/innen ans Lernziel bringen (Hauptsache Schreiben! Digitale Medien im Unterricht von Philippe Wampfler). Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, die Texte sind alt. Und haben doch ein wenig (oder mehr) Wahrheit. Und man kann aus ihnen allen lernen.

tl;dr
Ich stelle viele Fragen, doch habe keine Antworten.